Nr. 48/2011 vom 01.12.2011

Erfinderlohn

Von Stephan Pörtner

Der Karstforscher Toni Bravado hatte in der Nähe des Bahnhofs von Moutier eine neue Gesteinsart entdeckt, die ihm einiges Kopfzerbrechen bereitete. Sie spottete nämlich jeder Beschreibung und war so bröcklig, dass man sie auf ausgesuchten Delikatessenmärkten in der Grossstadt ohne Weiteres als exklusiven Reibkäse verkaufen und dabei reich wie der Hutzliputz hätte werden können. Aber Toni Bravado war ein Forscher und kein Geschäftsmann, und so meldete er seinen Fund ordnungsgemäss bei der Bundesstelle für Sondersteine an, wo man ihm erst eine Gebühr auferlegte und dann die Lizenz entzog, um klarzustellen, dass solcher Bröckelkarst aus gutem Grund als unentdeckt gegolten hatte.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen.

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