Nr. 03/2012 vom 19.01.2012

Die Wahrheit im Internet

Die Frage nach der Schuld steht im Zentrum von Greg Zglinskis neuem Film.

Von Geri Krebs

Die beiden Brüder Alfred (Robert Wieckiewicz) und Jarek (Lukasz Simlat) sind Besitzer eines kleinen Betriebs für Internetfernsehen in der Agglomeration einer polnischen Stadt. Sie haben das Unternehmen von ihrem kranken Vater geerbt, der als Patriarch aber immer noch ein gewichtiges Wort mitzureden hat. Während der jüngere Jarek, ein tatkräftiger und draufgängerischer Typ, den Wünschen des Vaters nach Expansion nachkommen möchte, ist Alfred eher bedächtig und zufrieden mit dem, was er hat.

Als Jarek und Alfred eines Tages in einem Vorortszug, in den es sie wegen einer Autopanne verschlagen hat, Zeugen eines Angriffs einer jugendlichen Schlägerbande auf eine Reisende werden, zeigt Jarek Zivilcourage und versucht, die Frau zu schützen. Doch er kann die brutalen Schläger nicht von ihrem Tun abhalten. Er wird angegriffen und schliesslich aus dem fahrenden Zug geworfen – sein Bruder sieht dem Treiben ohnmächtig zu.

Die Schläger können fliehen, der Zug wird angehalten, Jarek kommt lebensgefährlich verletzt ins Spital, während Alfred gegenüber seiner Familie und seinen Angestellten behauptet, seinem Bruder geholfen zu haben. Als wenig später im Internet ein Handyfilmchen auftaucht, das den wahren Hergang der brutalen Attacke zeigt, muss sich Alfred den tragischen Konsequenzen seiner Passivität stellen.

Ähnlich wie schon in seinem 2004 im Jura gedrehten – und 2005 mit dem Schweizer Filmpreis ausgezeichneten – meisterlichen Drama «Tout un hiver sans feu» rückt der 1968 in Polen geborene und in der Schweiz aufgewachsene Greg Zglinski in seinem neusten Spielfilm mit unerbittlicher Konsequenz die Frage nach der Schuld ins Zentrum eines geradezu biblisch anmutenden Dramas. Mit dem Kameramann Witold Plociennik und der hervorragenden Schauspielerin Gabriela Muskala – hier als Alfreds Ehefrau Viola, in «Tout un hiver sans feu» als kriegstraumatisierte albanische Emigrantin – sind zwei alte Bekannte präsent, die schon in jenem Film glänzten.

Landhaus, Sa, 21. Januar, 17 Uhr, und Kino Capitol, Di, 24. Januar, 20.30 Uhr.

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