Nr. 10/2012 vom 08.03.2012

Weil alles neu war

Von Stephan Pörtner

Martin Sunderville hatte sich unvoreingenommen einquartiert und eine entsprechend herbe Enttäuschung erlebt. In seiner neuen Stube war das Tageslicht rar, der Himmel fern und der Fussboden frostig, obwohl draussen die Sonne strahlte, als wollte es warm werden. Vor der Haustür fand er sich zuerst einmal nicht zurecht, weil alles neu war. Neu für ihn. Man konnte nicht einfach so in eine andere Stadt in einem anderen Land ziehen und erwarten, sich nach zehn Minuten heimisch zu fühlen. Es dauerte dann fast ein Jahr, bis er durchs Küchenfenster ein Stück blauen Himmels entdeckte und endlich das Gefühl hatte, angekommen zu sein.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen.