Nr. 13/2012 vom 29.03.2012

Neuspanisch

Das ferne Spanien hatte sich stark verändert, was vor allem die BesucherInnen mittelgrosser, unspektakulärer Städte zu spüren bekamen, die vergeblich nach dem ehedem angetroffenen provinziellen, jedoch überbordenden Charme der BewohnerInnen suchten. Zwar waren die Strassen breit wie eh und je, in den Bars jedoch herrschte Trübsinn und Niedergeschlagenheit, weil hier eine Krise herrschte, von der man anderswo keine Ahnung hatte, und allen alles irgendwie suspekt geworden, wenn nicht ganz verleidet war. Den BesucherInnen blieb nichts anderes übrig, als früh zu Bett zu gehen und sich darüber zu wundern, dass jetzt, wo es nicht mehr darauf ankam, überall Dialekt gesprochen wurde.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen.

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