Nr. 28/2012 vom 12.07.2012

Remo Stoffel schuldig gesprochen

Der umstrittene Käufer des Thermenhotels in Vals ist zum ersten Mal in einem Strafprozess verurteilt worden. Erstinstanzlich. Geklärt ist damit noch gar nichts – im Gegenteil.

Von Franziska MeisterMail an AutorIn

Vals ist nicht zu beneiden: Seit sich das kleine Bündner Dorf entschieden hat, sein Thermenhotel zu verkaufen, ist nichts mehr wie früher. Obwohl am 9. März der Immobilienhändler und ursprüngliche Valser Remo Stoffel das Rennen machte, ist bis heute nichts entschieden. Denn eine Gruppe Valser StimmbürgerInnen hat Ende April Beschwerde eingelegt (siehe WOZ Nrn. 11 und 17/12). Unter anderem wehrt sie sich damit gegen den Käufer.

Remo Stoffel spaltet sein Heimatdorf. Der 35-Jährige herrscht über ein Liegenschaftenimperium im Wert von über 500 Millionen Franken – und hat eine ganze Reihe von Strafuntersuchungen und -klagen am Hals. Fast immer geht es um ungetreue Geschäftsbesorgung (siehe WOZ Nr. 24/12).

Hat er profitiert oder nicht?

Ende Juni ist er nun zum ersten Mal deswegen verurteilt worden. Das Bezirksgericht Maloja brummte Stoffel im Zusammenhang mit dem Konkurs des Cafés Puntschella in Pontresina eine auf zwei Jahre bedingte Geldstrafe von 240 000  Franken und eine Busse von 10 000  Franken auf. Stoffel war im Juli 2004 vom Betreiberehepaar K. als Sanierer des Cafés sowie des angeschlossenen Produktionsbetriebs Gianda engagiert worden und waltete laut Anklageschrift in der Folge faktisch als Geschäftsführer. Er sei überzeugt, dass das Urteil falsch sei, liess Stoffel noch vor der Urteilsbegründung über seinen PR-Manager Jan Freitag ausrichten. Schliesslich habe er nur einer Mutter von vier Kindern in einer Notsituation beigestanden. Gemeint ist die damalige Frau des in Konkurs gegangenen Cafébetreibers K., der die Liegenschaft gehört.

Staatsanwalt Maurus Eckert hingegen sagt gegenüber der WOZ: «Ich habe Stoffel auch eine Bereicherungsabsicht vorgeworfen.» Noch während des Prozesses beharrten Stoffels Anwälte in der Zeitung «Südostschweiz» darauf, dass es für ihn nichts zu gewinnen gegeben habe. Tatsächlich?

Remo Stoffel hat – und davon steht nichts in der Anklageschrift – nur wenige Wochen vor der im Februar 2005 erfolgten Konkurserklärung eine Firma gegründet, die CGC Café Gastro Confiserie AG. Über die CGC führte Stoffel nach dem Konkurs sozusagen die Sanierung des Cafés Puntschella fort. Als Gerantin waltete seine Mutter, die aktuell als alleinige Unterschriftsberechtigte der CGC figuriert. Seit Mai 2012 hat das Café einen neuen Betreiber. Gepachtet hat er es von der CGC.

Ausserdem ist unklar, ob es für Reto Stoffel nicht sogar etwas zu verlieren gegeben hätte. Im Frühling 2004 hatte er das ans Café Puntschella grenzende Grundstück erworben – von Frau K.s Mutter. Just dieses Grundstück allerdings hatte K. gegenüber der Bank als Sicherheit für verschiedene Hypothekar- und Betriebskredite für das Café geboten. Ob das Grundstück im Fall eines unkontrollierten Konkurses Teil der Konkursmasse geworden wäre, ist Spekulation.

Weiterziehen oder nicht?

Stoffel habe das Grundstück frei von Lasten erworben, sagt sein PR-Manager. Trotzdem hat Stoffel noch vor der Konkurserklärung auf verschlungenen Wegen, die laut Anklageschrift auch über sein eigenes Konto führten, dafür gesorgt, dass diese Kredite zurückbezahlt wurden. Die verbliebenen Gläubiger von Café und Produktionsbetrieb erlitten in der Folge einen Verlust von insgesamt über zwei Millionen Franken. Dass Stoffel sie durch Vermögensverminderung geschädigt habe, sah das Gericht indes nicht als erwiesen an und sprach ihn von diesem Anklagepunkt frei. Trotzdem hat Stoffel bereits angekündigt, er werde Berufung einlegen. Die Staatsanwaltschaft hingegen will zum jetzigen Zeitpunkt keine eigenständige Berufung erheben, sagt jedoch auf Anfrage gegenüber der WOZ: «Wir behalten uns eine Anschlussberufung vor.»

Das Urteil wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung ist also noch nicht rechtskräftig. Für Stoffel gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. Und die ValserInnen wird die Frage weiter umtreiben, was das nun für die Zukunft ihres Thermenhotels bedeutet.

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