Nr. 34/2012 vom 23.08.2012

Ausbruch mit Rollbrett

Von Rebecca Hillauer

Soundtrack, Schnitt, Story: In diesem Film ist alles rasant. Immerhin geht es ums Skateboarden, und noch dazu in der DDR. Ostberlin Mitte der achtziger Jahre: Unter der Sputnik-Kugel des Fernsehturms treffen sich die Rollbrettfahrer zu waghalsigen Skatestunts. Der weitläufige Alexanderplatz bietet ihnen dazu die besten Voraussetzungen. «Ausserirdische» nennt der Film «This Ain’t California» diese kleine Schar Jugendlicher, deren Geschichte Regisseur Marten Persiel in einem Mix aus Spiel- und Dokumentarfilm erzählt.

Im Mittelpunkt steht die Clique um die halbfiktive Hauptfigur, Skater Denis, genannt «Panik». Das Rollbrettfahren ist für sie ein zielloses Ausbrechen aus dem Mief der DDR-Gesellschaft. Mangels entsprechender Geschäfte nageln sie sich aus einem Brett und einem Paar Rollschuhen ihre Boards selbst. Mit ihrem Funsport passen sie so gar nicht in die DDR, wo Sport vor allem Leistung bedeutet und in Gruppen organisiert ist. Da sie im Gegensatz zu Punks oder Skins unpolitisch erscheinen, reagieren die Beamten des Staatssicherheitsdiensts statt mit Repression mit Vereinnahmung. Die Clique trifft sich nach der Wende erst bei der Beerdigung von Denis wieder, der als Bundeswehrsoldat in Afghanistan gestorben ist.

Regisseur Persiel erzählt diese Geschichte in 99 Minuten gekonnt aufbereiteter Dokufiktion. Authentische Super-8-Aufnahmen und Ausschnitte aus dem DDR-Fernsehen wechseln sich ab mit nachgestellten und animierten Szenen in Musikclip-Form. Diese Machart kommt poppig rüber, hat dem preisgekrönten Film aber die meiste Kritik eingebracht. Denn darauf, dass viele Szenen inszeniert sind, weist Regisseur Persiel, der bislang Werbeclips, Musikvideos, Kurzdokumentationen und «Mockumentaries» gedreht hat, in «This Ain’t California» nirgends hin. Nach seinen eigenen Worten geht es in diesem Film nicht um eine objektive Wahrheit, sondern um das Lebensgefühl in dieser bislang weithin unbekannten DDR-Jugendsubkultur.

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