Nr. 37/2012 vom 13.09.2012

Ja zum Rauchen und Kiten

Von Susi Stühlinger

Wir gehören ja nicht zu denen, die sämtliche staatlich verordneten Benimmregeln abschaffen wollen. Wenn sie der Stärkung des Sozialstaats oder der Entmachtung der Banken dienlich sind, sind wir total dafür. Es gibt im Kleinen aber durchaus Dinge, von denen wir denken, dass der Staat sie nicht zwingend regeln müsste. Das totale Rauchverbot zum Beispiel, über das ja in Kürze abgestimmt wird: Wer nicht passiv rauchen will, der muss auch nicht, und auch wenn von den Reglementierungswilligen immer wieder angeführt wird, dass das Beizenpersonal unter dem Rauch leiden würde – mir ist noch kein Beispiel dafür untergekommen. Dafür hundert Beispiele von Gastronomiefachkräften, die zur Urne gehen werden, weil sie nicht möchten, dass man ihnen eins der wenigen Privilegien, die sie haben – das Rauchen am Arbeitsplatz – entzieht.

Für einmal gebe ich den Bürgerlichen recht: Da wird etwas von staatlicher Seite reguliert, das sich auch gut selbst regulieren könnte. Ja, ich rauche, natürlich bin ich befangen. Aber kitesurfen tu ich nicht. Darüber befindet in Kürze der Ständerat. Wer sich auf einem Surfbrett von einem Flugdrachen über den See ziehen lassen will, darf das bis heute nur in speziell von den Kantonen dafür ausgeschiedenen Regionen – weils der Bund aus Sicherheitserwägungen verboten hat. Nun aber, so die MotionärInnen, hätten sich die Sicherheitsvorkehrungen stark verbessert, darum sei es nun mit anderen Wassersportarten (wie Segeln) gleichzusetzen.

Die Trendsportart wird unterstützt von JungpolitikerInnen jeglicher Couleur. Bleibt zu hoffen, dass die Debatte kurz und knackig zugunsten der KitesurferInnen ausfällt, auf dass sie nicht mehr länger vom Staat in unsinnige Schranken verwiesen werden. Denn schliesslich müssen die StänderätInnen für das Geld, das sie kriegen, noch viele andere wichtige Entscheidungen treffen: über das Phosphat-Management im Brienzersee, private Helikopterflüge und die eidgenössische Anerkennung des Sommelierberufs, sprich der Weinkellner. Na, dann prost!

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