Nr. 38/2012 vom 20.09.2012

Schilderkampf im Thurgau

Von Harry Rosenbaum

In Mostindien herrscht die Buchstabenseuche. BTS steht für «Bodensee-Thurtalstrasse» und OLS für «Oberlandstrasse». Die Bauernwiesen sind mit Plakaten der gegnerischen Lager vollgepflastert. Diesen Sonntag wird abgestimmt. BTS und OLS sollen das stark gewachsene Verkehrsaufkommen kanalisieren sowie die Städte und Dörfer im Mittel- und Oberthurgau entlasten und besser an den Verkehr anbinden. Die Strassen kosten zusammen mehr als eine Milliarde Franken. Der Regierungsrat geht davon aus, dass der Bund die rund 800 Millionen Franken für die als Autostrasse klassifizierte BTS bezahlt und die 220 Millionen für die OLS mit einer Erhöhung der Strassenverkehrsabgaben um zehn Prozent zu finanzieren sind.

Die BefürworterInnen aus Wirtschaft und politisch bürgerlichen Kreisen erhoffen sich vom Jahrhundertprojekt für den Wirtschaftsstandort Oberthurgau eine merkliche Verbesserung der Rahmenbedingungen. Die GegnerInnen aus dem linkspolitischen Lager und den Umweltverbänden verorten im Strassenprojekt eine Wahnsinnstat, die den Thurgau zum Transitkanton für den internationalen Nord-Süd-Verkehr machen würde. Die Stauzone Grossraum Zürich sowie das Nadelöhr Gotthardautobahn könnten relativ einfach umfahren werden, auf einer neuen Route Süddeutschland–Rheintal–San Bernardino–Oberitalien.

Die Verbindungen BTS und OLS sind eine Neuauflage des Projekts «T14», das 2005 in der Abstimmung scheiterte. Jetzt kommt das Projekt etwas abgespeckt und transparenter daher. Vorerst geht es nur um einen Grundsatzentscheid. Baureife Projekte liegen noch keine vor. Kommt dazu, dass die 800 Millionen Franken vom Bund ebenfalls noch nicht gesprochen sind. Dem Vernehmen nach haben sie in Bern nicht erste Priorität.

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