Nr. 51/2012 vom 20.12.2012

Wenn die Kontrollierten die Kontrolleure stellen

Von Carlos Hanimann

Es ist die höchste Busse, zu der die UBS je verknurrt wurde: Die Schweizer Grossbank muss wegen der Libor-Manipulationen rund 1,4 Milliarden Franken an amerikanische, britische und schweizerische Behörden zahlen.

Die UBS hat gemeinsam mit anderen Banken in der Finanzkrise während mehrerer Jahre die Libor-Sätze manipuliert. Der Libor ist ein Leitzins, der täglich in London von verschiedenen Banken festgelegt wird und als Referenzzinssatz die Grundlage für eine ganze Reihe von Finanzprodukten bildet. Auf dem Libor basieren Finanzprodukte im Wert von über 250 Billionen Euro. Mindestens 1100 Fälle von versuchter Zinsmanipulation wurden gemäss Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma verzeichnet.

So viel zur Dimension des Skandals um die Manipulation der Libor-Sätze. Bei allen Superlativen – es klingt langsam wie ein schlechter, ermüdender Witz, wenn die Grossbank alle paar Monate in einen neuen Skandal verwickelt ist.

Doch der rein finanzkriminalistische Blick auf die jüngste Affäre verdeckt ein anderes, mindestens so gravierendes Problem: Mark Branson, der heutige Chef der Schweizer Bankenaufsicht, war von 2006 bis 2007 Leiter der UBS Securities Japan, also jener Abteilung der UBS, von der die meisten Manipulationen ausgingen.

Man könnte sagen: Entweder hat Branson davon gewusst – dann ist er für die Finma nicht tragbar. Oder er hat als Chef keine Manipulationen seiner Untergebenen bemerkt – dann ist er als Aufseher der Banken erst recht nicht geeignet.

Nun liegt das eigentliche Problem nicht in der Person von Branson, sondern wird über seine Figur nur sichtbar. Die Schweizer Bankenaufsicht basiert auf einem verkehrten System, in dem die Kontrollierten die KontrolleurInnen stellen. Die grundlegenden Fragen lauten: Darf ein ehemaliger Banker überhaupt die Banken beaufsichtigen? Oder muss es eben gerade ein Banker sein, weil er etwas vom Geschäft versteht? Und welchen Preis ist man für dieses Risiko zu zahlen bereit?

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