Nr. 11/2013 vom 14.03.2013

Das Atommüllendlager ist ein Pulverfass

Mitunter reichen 25 Minuten, um zu zeigen, auf welchen Irrsinn sich die Menschheit mit der Atomkraft eingelassen hat. So lange braucht der vom Schweizer Christoph Arni produzierte Kurzspielfilm «Die Welt danach», um das sich anbahnende Drama im deutschen Atommüllendlager Asse II im Mikrokosmos eines Familiendramas zu spiegeln – und das filmisch virtuos.

Lisa, Mutter zweier Mädchen und Strahlenexpertin, macht bei einer Probebohrung in das Innere des Salzstocks, in der die radioaktiven Fässer lagern, eine schreckliche Entdeckung: Viele der Metallfässer sind löchrig, durchgerostet, die Strahlung ist viel stärker als bisher angenommen. «Mein Gott», sagt einer ihrer Kollegen im weissen Laborkittel, «können wir die Fässer so überhaupt rausholen?»

Um die Rückholung des radioaktiven Abfalls aus der Asse II in Niedersachsen tobt in Deutschland seit Jahren ein Kampf. 126 000 Fässer sind im ehemaligen Bergwerk 490 Meter unter der Erde bis 1978 eingelagert worden. Mittlerweile ist klar: Die Asse ist ein Pulverfass. Nicht nur ist das Salzgerüst der Grube instabil, es dringt auch immer mehr Wasser ein. Damit droht nicht nur die Gefahr einer Grundwasserverseuchung – aufgrund der sich entwickelnden Gase könnte die Kammer innerhalb der nächsten Jahrzehnte auch explodieren.

Lisa hat eigentlich gekündigt, weil ihre Ehe an der Belastung zu zerbrechen droht. Doch ihr Kollege sagt: «Die andern hören nur auf dich – ohne dich bleiben die Fässer unten.» Wie wird sie sich entscheiden?

Der Film ist atmosphärisch ebenso düster wie das Thema: Fahrten durch die nur vom Scheinwerferlicht des offenen Jeeps erhellten Tunnels unter Tag verbinden die schal beleuchteten Szenen in den unterirdischen Labors mit dem Dämmerlicht zu Hause. Hüben wie drüben ringt man um Worte, keines ist zu viel.

«Die Rückholung der Fässer wurde im Dezember 2011 wegen zu hoher Risiken verschoben», heisst es im Abspann. «Es ist unklar, wie lange das Salzbergwerk noch sicher ist.» Am 28. Februar 2013 hat der Deutsche Bundestag ein Gesetz verabschiedet: Die Fässer sollen geborgen werden, und zwar so rasch wie möglich. Das wird Jahre dauern – der Ausgang ist ungewiss.

Arte strahlt «Die Welt danach» in der Nacht vom Donnerstag, 14., auf Freitag, 15. März 2013, kurz nach Mitternacht aus. www.weltdanach-film.de

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