Nr. 11/2013 vom 14.03.2013

Ausstellung

Sri Lankas neue Zukunft

«Frischer Wind im Surfer-Paradies Südostasiens» oder «Aufbruchstimmung allerorten auf Sri Lanka»: Solches ist dieser Tage in vielen Zeitungen zu lesen.
Sri Lanka, das neue Ferienparadies also. Dabei sind noch nicht einmal vier Jahre vergangen, seit im Mai 2009 in Sri Lanka ein langer Bürgerkrieg endete. Seit den frühen achtziger Jahren stand Sri Lanka im Zeichen des bewaffneten Kampfes zwischen tamilischen SeparatistInnen, vor allem der Liberation Tigers of Tamil Eelam, und dem sri-lankischen Militär (sowie paramilitärischen Einheiten). Siegreich aus dem Kampf hervorgegangen ist schliesslich die sri-lankische Armee.
Noch sind die Spuren des Kriegs zu sehen – mehr oder weniger versteckt hinter den Kulissen des touristischen Bühnenbildes. Der Frieden ist fragil. Die am meisten Leidtragenden der unsicheren Verhältnisse sind vor allem Frauen und Kinder. Der Verein Palmyrah – Ökumenisches Partnerschaftsprojekt Bern-Jaffna unterstützt die Ausbildung von Frauen und Kindern in Regionen des Landes, die besonders von den Folgen des Bürgerkriegs betroffen sind. Nun organisiert der Verein die Ausstellung «Aufbruch in eine neue Zukunft? Alltag nach dem Bürgerkrieg in Sri Lanka», in der fünfzig Fotografien von Walter Keller zu sehen sind. Im Zentrum seiner Aufnahmen steht der Alltag der Menschen, den sie inmitten von Kriegszerstörung und Ungerechtigkeit zu leben versuchen. Keller beschäftigt sich seit dreissig Jahren mit Südasien, seit über zehn Jahren arbeitet er als Berater in der deutsch-sri-lankischen Entwicklungszusammenarbeit.
Ein Rahmenprogramm sowie öffentliche Führungen von Sozialanthropologinnen begleiten die Ausstellung.
Silvia Süess

«Aufbruch in eine neue Zukunft? Alltag nach dem Bürgerkrieg in Sri Lanka. Fotografien von Walter Keller» in: Bern Le Cap, Französische Kirche, 
Do, 14. März 2013, 19 Uhr, Vernissage in Anwesenheit des Fotografen. Bis Do, 4. April 2013. Mo, 9–12 Uhr, Di–Sa, 9–17 Uhr. www.refbejuso.ch/palmyrah

Film

Schweizer Film

Am 23. März 2013 werden die diesjährigen Schweizer Filmpreise verliehen. Im Rahmen der «Woche der Nominierten» sind im Zürcher Filmpodium und in den Cinémas du Grütli in Genf alle nominierten Filme zu sehen.
Sowohl in Genf als auch in Zürich wird darüber hinaus aber auch fleissig diskutiert und fantasiert. Thema der Diskussionen: «Wovon wollen wir träumen? Neue Visionen für den Film in der Schweiz». Personen, die das Kino aus unterschiedlichen Perspektiven verfolgen, diskutieren über Geschichten, die sich in der heutigen Schweiz erzählen liessen.
Podiumsgäste in Genf sind die Regisseure Manuel von Stürler, Basil da Cunha und Patrick Jean sowie die Produzentin Joëlle Bertossa und der Choreograf Gilles Jobin. In Zürich diskutieren die Theaterwissenschaftlerin und Journalistin Anne Fournier, der Filmjournalist Christian Jungen, die Autorin Milena Moser, der Musiker Balts Nill sowie Seraina Rohrer, Direktorin der Solothurner Filmtage. Moderiert wird die Veranstaltung von der Filmwissenschaftlerin Marcy Goldberg.
Silvia Süess

«Wovon wollen wir träumen? Neue Visionen für den Film in der Schweiz» in: Zürich Filmpodium, Do, 
21. März 2013, 18.15 Uhr, und Genf Cinémas du Grütli, Fr, 22. März 2013, 19.30 Uhr.

KindersoldatInnen

«Wir sind Rebellen. Respektiert eure Gewehre, sie sind jetzt eure Mutter und euer Vater»: Der dies sagt, ist einer der Rebellen, die das Dorf der zwölfjährigen Komona (Rachel Mwanza) «irgendwo in Afrika südlich der Sahara» überfallen haben. Das Mädchen wurde gezwungen, ihre Eltern zu töten. Anschliessend entführten es die Rebellen gemeinsam mit den anderen Kindern des Dorfes und zwangen es, Kindersoldatin zu werden.
«Rebelle (War Witch)» von Kim Nguyen erzählt von der brutalen Realität afrikanischer KindersoldatInnen. Zehn Jahre hat der Regisseur an seinem Spielfilm gearbeitet. Im Zentrum steht das Mädchen Komona, das zur Kindersoldatin wird und aufgrund seiner Fähigkeit, Geister zu sehen, als «Hexe» in der Rebellenarmee grosses Ansehen geniesst.
«Rebelle (War Witch)» wird in Zusammenarbeit mit dem Festival du film et forum international sur les droits humains in Zürich gezeigt. Anschliessend an die Filmvorführung wird auf dem Podium zum Thema KindersoldatInnen diskutiert.
In Basel steht das Thema «Todesstrafe» im Zentrum: Zu sehen ist Werner Herzogs neuster Film «Into the Abyss: A Tale of Death, a Tale of Life». Es folgt eine Debatte über die Todesstrafe mit Ruth Dreifuss und Gerald Staberock, Generalsekretär der Weltorganisation gegen Folter.
Silvia Süess

«Rebelle (War Witch)» in: Zürich Kino Riffraff, 
Mi, 20. März 2013, 19 Uhr. www.riffraff.ch
«Into the Abyss: A Tale of Death, a Tale of Life» in: Basel Kultkino, Di, 19. März 2013, 18 Uhr.

Festival

Cinéma Querfeld

Wo sind wir zu Hause? Was ist Heimat? Warum verlassen Menschen ihre Heimat, wie kommen sie am neuen Ort an, und wie werden sie aufgenommen?
Das interkulturelle Filmfestival Cinéma Querfeld, das dieses Jahr zum achten Mal stattfindet, zeigt acht Filme, die sich mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigen. Der älteste Film am Festival ist «The Immigrant» von Charlie Chaplin aus dem Jahr 1917: Chaplin spielt darin einen europäischen Auswanderer, der in den USA sein Glück sucht. Doch schon auf der Überfahrt beginnt seine Pechsträhne.
War Europa 1917 noch eine Region, aus der ausgewandert wurde, so ist es heute das Ziel vieler afrikanischer MigrantInnen. Davon erzählt Aki Kaurismäkis stimmiges Werk «Le Havre» (2011). Ein gescheiterter Autor trifft in Le Havre auf einen afrikanischen Jungen, der auf der Flucht ist, und solidarisiert sich mit ihm.
Zu sehen sind unter anderem auch der Dokumentarfilm «Eigentlich wollten wir zurückkehren» (2012) von WOZ-Kolumnist Yusuf Yesilöz (der Regisseur ist am Freitag nach der Vorführung anwesend) sowie der Dokumentarfilm «Familie Feierabend. Von der Schweiz in die Karibik und zurück» (2007) von Christoph Müller, in dem es um einen Schweizer Schnapsbrenner geht, der in die Dominikanische Republik auswandert.
Ausserdem tritt am Samstagabend der sizilianische Cantautore Tonino Castiglione auf. Für hungrige Mäuler gibt es kurdische, pakistanische, bulgarische sowie Schweizer Spezialitäten.
Silvia Süess

Cinéma Querfeld in: Basel Gundeldinger Feld, 
Fr–So, 15.–17. März 2013. www.querfeld-basel.ch

Theater

CH-Trilogie

Und schon erreicht die rasante Schweiz-Trilogie des Zürcher Theaters Neumarkt die Schlussetappe: Nach dem ersten Stück «Expats», in dem die künstlerische Hausherrin Barbara Weber und das Ensemble dem Alltag hoch bezahlter Kaderleute nachspürten, die für ein paar Monate in der Schweiz leben und arbeiten (siehe WOZ Nr. 5/13), und dem zweiten Stück «Truppenbesuch», in dem der Schauspieler und Kabarettist Mike Müller die Schweizer Armee inspiziert, öffnet sich der Vorhang nun auch für Guy Krnetas Stück «Dr Madam ihre Mössiö».
Das kammerspielartige Mundartstück basiert auf einer der vielen Sozialreportagen, die der ehemalige WOZ-Redaktor Fredi Lerch im letzten Jahr in seinem Buch «Alles bestens, Herr Grütter. Reportagen von Himmeln und Höllen» (Rotpunktverlag) veröffentlicht hat. Der bekannte Schauspieler Bruno Cathomas inszeniert die Geschichte zweier Menschen (gespielt von Rahel Hubacher und Alexander Seibt) in der Agglomeration, die durch die verschiedenen Raster der sozialen Sicherungs- und Wertsysteme gefallen sind – und dabei grad auch noch an den jeweils schlimmstmöglichen Partner gerieten. Lebenslänglich.
Aufgepasst: Am Samstag, 30. März 2013, besteht die Möglichkeit, in der «langen Nacht der CH-Trilogie» alle drei Stücke hintereinander zu sehen.
Adrian Riklin

«Lange Nacht der CH-Trilogie» in: Zürich Theater Neumarkt, Sa, 30. März 2013, 18 Uhr.
Einzelvorstellungen ab 25. März: 
www.theaterneumarkt.ch

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