Nr. 22/2013 vom 30.05.2013

Glencore am Apparat

Von Kaspar SurberMail an AutorIn

Kaum ist die Zeitung draussen, klingelt auch schon das Telefon. Man habe da Einwände zum Artikel über Glencore (WOZ Nr. 21/13). Auf Rückfrage gibt sich der Anrufer als PR-Beauftragter der Rohstoffhandelsfirma zu erkennen. Glencore zahle in der Schweiz nicht «keine Steuern», sondern «keine Gewinnsteuern», und bei einer Annahme der 1:12-Initiative sähe man sich nicht «gezwungen», ins Ausland zu ziehen, sondern bloss «möglicherweise gezwungen».

Selbstverständlich wollen wir unserer LeserInnenschaft diese feinen Unterschiede nicht vorenthalten. Ansonsten würden Sie sich noch im Irrglauben befinden, Glencore-Chef Ivan Glasenberg habe mit dem Wegzug seiner Firma gedroht; das hat er eben nur möglicherweise. Sie können also getrost Ja stimmen.

Wenn wir aber schon am Telefon sind: Die Unternehmenssteuerreform III zielt auf eine generelle Senkung der kantonalen Gewinnsteuern ab. Die Ausfälle von 3,9 Milliarden Franken werden auf die Bevölkerung abgewälzt. Die Steuersenkung nützt vor allem den Genfer Rohstoffhändlern, weil sie nach dem Wegfall der bisherigen Holdingprivilegien auf einen Schlag 21 Prozent Gewinnsteuern zahlen müssten. Wie sieht es für die in Zug domizilierte Glencore aus? Die Firma, die bisher «keine Gewinnsteuern» ablieferte, müsste immerhin 12,8 Prozent bezahlen.

Der Sprecher meldet sich am Montag mit einer Antwort. Sie fällt wolkig aus: «Glencore prüft auch im Steuerbereich kontinuierlich die Entwicklungen in sämtlichen Ländern, in denen die Firma tätig ist. Zur Unternehmenssteuerreform III in der Schweiz äussert sich Glencore zum jetzigen Zeitpunkt nicht.» Warum äussert sich Glencore zur 1:12-Initiative, nicht aber zur Unternehmenssteuerreform? Das Gespräch verflüchtigt sich vollends: «Kein Kommentar.»

Laute Klappe gegen die 1:12-Initiative, PR-Floskeln bei der Unternehmenssteuerreform: Bis zum nächsten Anruf können Sie davon ausgehen, dass die Reform zur Zufriedenheit der Glencore-Milliardäre verläuft.

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