Nr. 37/2013 vom 12.09.2013

Pendlerströme der andern Art

Von Stephan Pörtner

Das Zupflastern der Grünflächen machte solch ansehnliche Fortschritte, dass es fast nicht mehr drauf ankam, wo man war, weil es allenthalben gleich aussah. Mit Ausnahme der unter halbherzigem Schutz stehenden Berggebiete natürlich, wo die grünen Matten jedes Jahr aufs Neue ausgerollt wurden, weil sonst die Konturen der grauen Felsriesen zu bedrohlich gewirkt und dem Tourismus massiv geschadet hätten. Darum herrschte auf den Aussichtsplattformen Gedränge, und die Zahnradbahnen surrten. Im Flachland hingegen standen die meisten der volkswirtschaftlich wertvollen Behausungen und Arbeitsstätten leer, weil im Sommer alle irgendwohin müssen, und sei es nur ins nächste Strandbad oder zu einem Festival der Superlative.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel») und lebt in Zürich. Soeben ist sein neuer Krimi «Mordgarten» erschienen, der in der Siedlung einer Wohnbaugenossenschaft spielt und im WOZ-Shop erhältlich ist. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. www.stpoertner.ch