Nr. 21/2014 vom 22.05.2014

Herr im Himmel!

Von Stephan Pörtner

Die langjährigen Bemühungen des atheistischen Meteorologen Morgentaler, den Eisheiligen ihren Status abzusprechen und sie zu hundskommunen Schlechtwettertagen zu erklären, scheiterten nicht nur kläglich, sie stiessen auf heftigen Widerstand. Neben den unvermeidlichen Traditionsbewahrerinnen und Abendlanduntergangspropheten stimmten auch verschnupfte Wetterschmöcker und unzählige OnlinekommentatorInnen in den Chor ein und fragten, ob er denn nichts Besseres zu tun beziehungsweise keine wichtigeren Sorgen habe. Die hatte er sehr wohl und nicht zu knapp, nur hatten diese nichts mit seinem Anliegen zu tun, weshalb er sie für sich behielt, anstatt sie per Social Media herumzuposaunen. Gerade darum blieb Morgentaler zeitlebens so unbeliebt wie die Eisheiligen selber.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel») und lebt in Zürich. Vergangenes Jahr ist sein Krimi «Mordgarten» erschienen, der in der Siedlung einer Wohnbaugenossenschaft spielt und unter www.woz.ch/shop/buecher erhältlich ist. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. www.stpoertner.ch