Nr. 28/2014 vom 10.07.2014

Mani Matter im Chörli

Von Köbi Gantenbein

Natürlich gehöre ich auch dazu: Aufgewachsen mit Mani Matter, probierte ich vor ein paar Jahren, das Lied «Dr Noah» für meine Kapelle zu arrangieren. Das sollte, dachte ich, für uns fröhliche DilettantInnen ja machbar sein, so einfach, wie die Melodie tönt. Und Stephan Eicher hatte mit «Hemmige» ja auch Erfolg, Mani Matter arg traktierend. Ich scheiterte und lernte, dass dessen Lieder ohne Worte nicht klingen. Anders als bei anderen Gesängen aus dem Volksgut, vom «Simeliberg» über «Commandante Che Guevara» bis zu «La Montanara» und der «Internationalen», sind Wort und Klang in diesen populären Stückli untrennbar.

Das Kammerton-Quartett – Elisabeth Germann, Susanne Wiesner, Valentin Johannes Gloor und Stefan Vock – setzt diese Einsicht in überraschender Manier um. Sie haben zwölf zeitgenössische KomponistInnen gebeten, Mani-Matter-Lieder a cappella, also ohne Instrumente, für sie einzurichten. Die zwölf hielten sich eng an den Zauber der Matter-Lieder, ihre Arrangements loten die enge Verbindung von Wort und Ton aus. Sie verführen uns zu neuem Hören, wir müssen aber nicht streng arbeiten und alle Gewohnheit an Matters Volkstümlichkeit bekämpfen.

«Kunscht isch geng es Risiko», der Titel der CD, wird nicht hart geprüft. Oliver Weber und Gion Antoni Derungs zeigen bei «Dr Noah» oder «Warum syt dir so truurig?», welcher Schmelz und Herzschmerz in Matters Liedern steckt. Esther Flückiger lässt das dramaturgische Können des Liedermachers leuchten in der Art, wie sie das Chörli auf den «Alpeflug» schickt. Wie auch die KomponistInnen die klassisch gebildeten SängerInnen leuchten lassen – sie bereichern Mani Matter, der vor vierzig Jahren nach einem Autounfall starb. Aber sie machen ihn nicht zeitgenössisch: «Mani Matter braucht nicht aktualisiert zu werden. Er aktualisiert uns», schreibt Urs Frauchiger, der Musiker und Weggefährte Matters, in einem Essay zur CD. Sie ist mit dem Büchlein in einer blauen Kartonhülle verpackt, schön gestaltet von Lea Baldinger.

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