Nr. 26/2014 vom 26.06.2014

Finnland in der Innerschweiz

Von Köbi Gantenbein

Eine enge Kammer heisst im Muotatal «Schloffä». In solchen Schlüpfen fanden einst die illegalen Partys statt – Tanz zu Örgelimusik, was der Pfarrer nicht gerne sah. «Schloffätanz» nennt Markus Flückiger seine Suite für Ländlerorchester: Zwei Klarinetten, Bass, Cello, Klavier, Hackbrett, drei Geigen und Schwyzerörgeli spielen in der Kapelle «Flückiger’s AlpeNordsite». Zum Einstieg ein melancholischer Kuhreigen, der Urklang alpiner Musik. Immer wieder wird er durch die hoch hinaufkletternden Tonkonstruktionen klingen. Als zarte Linie, als brausender Choral. Bald spielt die Geige Flückigers Örgeli entgegen, das Klavier setzt nach, und dann wird Orchester gemacht.

Doch auch die komplexen Arrangements bleiben tanzbar: Dreier- und Viererschläge, ab und zu über Eck und von hinten her eingefädelt. Volksmusik ist auch in den Alpen vorab Rhythmus. Ist es ihm raffiniert genug, wendet sich Flückiger der Musik zu, die ihm am Herzen liegt: Schottisch und Polka. Die Suite hat acht Sätze, von «Gueti Besserig» über den «Sieg der Polka» bis zu «Drümoldrü», einem Schottisch mit Gegentakt. Ich höre plötzlich irisch und wundere mich, wie Flückiger Musik, der ich einst in Finnland zuhörte, ebenso einschwyzert wie den Walzer des Caféhausorchesters der Grossstadt.

Nebst der Musik hören wir die MusikantInnen schnaufen und füsseln sowie den Balg des Örgelis seufzen – die CD ist eine Liveaufnahme von der «Stubeta am See», den Festtagen der zeitgenössischen Volksmusik in der Zürcher Tonhalle. Seit der ersten Ausgabe geben die Festivalleiter Johannes Schmid-Kunz und Florian Walser jeweils eine Komposition für ein Ländlerorchester aus, vor zwei Jahren luden sie Markus Flückiger als Komponist ein.

Die nächste Ausgabe der «Stubeta am See» findet übrigens vom 5. bis 7. September in der Tonhalle Zürich statt – dann wird der Wiener Akkordeonist Tommaso Huber sein Ländlerorchester dirigieren.

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