Nr. 32/2014 vom 07.08.2014

Fear and Loathing in Beirut

Von Pablo Haller

«Wer am Valentinstag jemanden mit 2500 Kilogramm Sprengstoff in die Luft jagt, soll man den einen Spassvogel oder einen Zyniker nennen?» Bämm! Schon ist man drin in «Letzte Tage in Beirut», dem Romandebüt von Alfred Hackensberger. Der Autor und Nordafrikakorrespondent, der auch für die WOZ schreibt, zeichnet in seinem Thriller die nebulösen Hintergründe des Bombenanschlags auf den libanesischen Expremierminister Rafik Hariri am 14. Februar 2005 nach, über den er seinerzeit als Journalist berichtete. Die Ungereimtheiten in der offiziellen Aufklärung des Falls verflicht Hackensberger zu einem raffinierten Gefüge von Fakten und Fiktion. Die Atmosphäre sirrt, die Figuren atmen, man fühlt die Schauplätze.

«Letzte Tage in Beirut» ist ein Film in Worten. Plastisch, temporeich. Viel Dialog und wenig Firlefanz. Hackensberger muss sehr nah am Geschehen gewesen sein, der Thriller liest sich so authentisch wie ein Tatsachenbericht. Wenn sein literarisches Alter Ego Klaus Steinbacher vollgegessen und abgeklärt über seinen Artikeln brütet. Wenn sich auf einmal völlig unbekannte Terrorgruppen zum Anschlag bekennen und al-Kaida schäumt. Das Geld, das über jede Ideologie erhaben ist. Die Paranoia, die über allem liegt wie Smog. Die Drogen, der Suff, das Leben an der Schwelle. Darin kennt sich Hackensberger aus. In den 1990er Jahren schrieb er mit «I am Beat» eine Biografie über Herbert Huncke, den Typen, der William S. Burroughs dessen ersten Schuss verpasste. 2006 erschien der Gedichtband «Arabien Remixed», in dem Hackensberger anhand seiner Langzeitaufenthalte in Tanger und Beirut ein Bild der arabischen Welt zeichnet, das so ganz anders ist als jenes, das uns tagtäglich aus den Medien entgegenschiesst. 2008 erschien sein «Lexikon der Islam-Irrtümer». Darin versenkt er kenntnisreich Halbwahrheiten und Vorurteile über diese Weltreligion. Man liest seinen Roman aus und möchte sich sofort auf den nächsten stürzen.

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