Nr. 51/2014 vom 18.12.2014

Toxische Schleier über unseren Köpfen

Wir werden vergiftet, Linie für Linie. Was Sie bisher für harmlose Kondensstreifen hielten, sind oft regelrechte Chemiekeulen.

Von Marcel Bamert*

In Zeiten allgemeiner Konfusion und utopiefreier Ratlosigkeit ist es eine Wohltat, wenn man sich in politischen Angelegenheiten auf klare Anweisungen stützen kann, die sich von jeder und jedem nachvollziehen lassen, wie zum Beispiel: Schau nach oben!

Dieser bestechend einfache Ratschlag würde den meisten Menschen die Augen öffnen und zu einem neuen Bewusstsein führen. Denn wer seinen Kopf in den Nacken legt und in den Himmel blickt, wird gewahr, welch Unheil tagtäglich über unseren Köpfen zusammengebraut wird: der Diebstahl unseres blauen Himmels.

Denn das, was Sie bis heute für harmlose Kondensstreifen am Himmel gehalten haben, sind in Wahrheit oft mit chemischen Stoffen versetzte Giftkeulen, sogenannte Chemtrails. Ob es sich von vornherein um eine konzertierte Aktion gehandelt hat, ist umstritten; unstrittig freilich ist, dass sich verschiedene mächtige Gruppierungen zusammengeschlossen haben, weil diese Chemtrails ihren je eigenen Interessen dienen: Chemie- und Agromultis, MeteorologInnen, Fluggesellschaften, Regierungen und, natürlich, Geheimdienste. Indem die Sonneneinstrahlung mittels reflektierender chemischer Partikel in der Atmosphäre reduziert wird, kann der in Wahrheit schon weitaus dramatischer fortgeschrittene Klimawandel vertuscht werden, lechzen die Menschen wegen Vitamin-D-Mangel nach mehr Pharmazeutika, werden nicht chemieresistente Pflanzen vertilgt und die Landwirtschaft noch abhängiger von Saatgutfirmen. In Kombination mit elektromagnetischen Wellen soll sogar das Bewusstsein der Menschen gesteuert und Naturgewalten wie Vulkanausbrüche und Erdbeben sollen als Waffen eingesetzt werden können. Alles klar?

Das Bafu dementiert

Auch Bundesrätin Doris Leuthard spielt mit. Mit diversen Dementis versuchen sie und die ExpertInnen des Bundesamts für Umwelt (Bafu), die besorgten BürgerInnen zu beschwichtigen und die Chemtrails als Verschwörungstheorie abzutun. ChemtrailkennerInnen aber lassen sich von ihrem unermüdlichen Kampf für die Wahrheit nicht abbringen und durchschauen diese offiziellen Schreiben als dreiste Gegenpropaganda.

Wer angesichts der im Internet in überwältigender Menge kursierenden Fakten und Wahrheiten noch zweifelt, gehe am besten einfach mal an die frische Luft und schärfe seinen Blick. Denn Partizipation ist das zentrale Element: Jeder und jede kann ExpertIn werden und anhand selbst aufgenommener Aufnahmen über die Arten der Bildung und Verflüchtigung von Kondensstreifen, Wolken und Nebelschleiern fachsimpeln. So ist das Netz voll mit Beweisfotos und -videos, in denen die getarnten Giftschleier über dem eigenen Wohnort festgehalten und kommentiert werden. Das macht Spass: Angereichert mit diesem Wissen, bekommt die jahrtausendealte Tradition der Wetterbeobachtung und -interpretation eine brisante, politische Dimension. Schleierwolken? Chemtrails. Das Wetter ändert sich mehrmals am Tag? Chemtrails. Hochnebel über der Stadt? Chemtrails. Doch kaum jemand schaut nach oben!

Schaut lieber nach unten!

Praktischerweise gibt es dagegen allerlei Abwehrmittel. Aus Sperrholz und Kupferrohren gefertigte Skulpturen, sogenannte Cloudbuster, oder in Gips eingegossene Kristalle, sogenannte Energiekegel, mit denen man die Nachbarschaft von den Vergiftungen aus dem Himmel schützen kann. Natürlich kostet das etwas. Doch was nützt alles Wissen über das Böse der Welt, wenn man nicht bereit ist, für einen persönlichen energetischen Schutzschild etwas tiefer ins Portemonnaie zu greifen?

Womöglich sitzen aber auch alle ChemtrailjüngerInnen bloss einer gigantischen Lüge auf: Vermutlich wurde die Chemtrailtheorie nur in Umlauf gebracht, um den Blick nach oben zu richten und von einem viel gefährlicheren Verbrechen am Boden abzulenken: den Bremsstreifen. Bislang kaum beachtete, ja gewaltsam unterdrückte Enthüllungen lassen vermuten, dass den Autopneus von der Gummiindustrie seit Jahren heimlich das hochgiftige Natriumconspiraxid beigemischt wird. Dieses vertilgt das früher viel häufiger vorkommende Unkraut am Strassenrand radikal, damit sich schädliche Insekten vermehrt auf Mais- und andere Felder stürzen, die Chemiemultis ihr resistentes Saatgut und die dazugehörigen Pestizide besser verbreiten können, um die Bevölkerung so systematisch zu vergiften und in einem Zustand der ständigen Vernebelung in passiver Lethargie dahinvegetieren zu lassen. Alles klar?

Achten Sie doch mal auf merkwürdige Bremsspuren auf der Strasse!

Der Infotisch der ChemtrailgegnerInnen 
Blauer Himmel, an dem man sich über die neusten Streifen am Himmel austauschen kann, findet 
einmal im Monat statt. www.blauerhimmel.ch

* Wunsch von  Nina Wild: «Geht mal den
 Chemtrails 
nach.»

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch