Nr. 33/2015 vom 13.08.2015

Entrückung: gesellschaftsrelevant

Von Adrian RiklinMail an Autor:in

«In den letzten rund sechs Monaten formierte sich im Geheimen eine Zürcher Schattenregierung»: Die Nachricht kam per Mail um 09.07 Uhr. In einem Vokabular, das auf Hirnaktivitäten schliessen lässt, die nur bei Tageslicht möglich sind, präsentierte der selbst ernannte Zürcher Stadtnachtrat sein Programm.

«Wie in Debatten über Fussballfans, Jugendkriminalität und Ausländergruppen», so der Stadtnachtrat in seiner Medienmitteilung, «werden auch beim Nachtleben sehr oft Einzelfälle zu allgemeinen Problemen hochstilisiert. Viel zu selten wird die soziale, kulturelle und ökonomische Relevanz des Zürcher Nachtlebens thematisiert.»

Auch das noch! Schlimmes schwant einem, wenn man nach weiterer Lektüre gewahr wird, wie sehr sich der selbst ernannte Stadtrat auf die Nacht als «einen wichtigen Wirtschaftsfaktor» beruft.

Trotz all dem: Viel Glück dem Zürcher Stadtnachtrat! Und allzeit gute Nacht! Nur schon, weil einfach stimmt, was er ins Feld führt: «Entrückung ist gesellschaftsrelevant.»

Natürlich ist damit nicht der ganze Kommerz gemeint, der sich mit der Etikette «Nachtkultur» schmückt, um die Gesetze des Tages auf die Nacht auszuweiten. Denn die Nacht, meine Damen und Herren, ist mehr als die Schattenseite des Mondes. In der Nacht rauscht die Erde wie in Träumen wunderbar mit allen Bäumen. Und es schweifen leise Schauer durch die Brust.

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