Nr. 44/2015 vom 29.10.2015

Die Versprechungen der Konsumgesellschaft

Von Stephan Pörtner

Klappenstuhl hatte sein schon in der Jugend angepeiltes Frührentnertum im fünften Lebensjahrzehnt so weit perfektioniert, dass er fast überall, wo er auftauchte, der Jüngste war, abgesehen von den in touristischen Randregionen unvermeidlichen holländischen Kleinfamilien. Der Besuch verlotterter Schlösser und obsoleter Verteidigungsanlagen sowie der unterambitionierte Freizeitsport wurden fast ausschliesslich von jener Generation durchgeführt, die schon immer da war und nicht daran dachte, sich vom Acker zu machen. Mit einem an Verbissenheit grenzenden Enthusiasmus lösten sie die Versprechungen der Konsumgesellschaft ein, an der sie massgeblich mitgewirkt hatten. Klappenstuhl, der sich die Sache entspannter vorgestellt hatte, erwog ernsthaft eine Rückkehr in die Arbeitswelt.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Im Dezember 2014 hat die WOZ eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» als Buch herausgegeben. Es ist ebenso wie «Mordgarten» unter www.woz.ch/shop/woz-buecher erhältlich. www.stpoertner.ch