Nr. 47/2015 vom 19.11.2015

Die Erfindung der Herbstsaison

Von Stephan Pörtner

Der ehrenamtliche Tourismusdirektor von Unteroberausfelden hatte es nicht leicht. Mangels Gewässern sowie wegen unerbittlichen Abrutschens unter die Schneefallgrenze verfügte sein voralpines Randgebiet sowohl in der Sommer- wie auch in der Wintersaison über ein höchst bescheidenes touristisches Potenzial. Nach einer Fortbildung im Marketingbereich ersann er die Herbstsaison, für die Unteroberausfelden als Topdestination wie geschaffen war. Ausgedehnte Hochnebelfelder, buntlaubige Wälder mit auffindbaren Pilzvorkommen und der eine oder andere halb einheimische Herbstbrauch sollten die Fremden anlocken. Doch der Plan scheiterte nicht nur an der Konkurrenz durch flächendeckende Kulturveranstaltungen, sondern am Mangel einer eindeutig identifizierbaren Ausrüstungslinie, ohne die sich keine neue Saison etablieren liess.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Im Dezember 2014 hat die WOZ eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» als Buch herausgegeben, das unter www.woz.ch/shop/woz-buecher erhältlich ist. Sein 2013 erschienener Krimi «Mordgarten» ist unter https://www.woz.ch/shop/buecher erhältlich.

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