Nr. 05/2016 vom 04.02.2016

Im Kampf für Frauenrechte

Von Rahel Locher

Der Film «Suffragette» erzählt die Geschichte einer Radikalisierung. Die Wäscherin Maud Watts (Carey Mulligan) engagiert sich zunehmend bei den Suffragetten, den britischen Frauenrechtlerinnen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Wieso die Frauen kämpfen, wird im Film schnell klar: die erdrückenden Verhältnisse in der Wäscherei, die Bevormundung durch die Ehemänner, die fehlenden politischen Rechte.

Regisseurin Sarah Gavron stellt mit der 24-jährigen Maud Watts eine Arbeiterin ins Zentrum – eine eher untypische Protagonistin, denn die Bewegung bestand massgeblich aus bürgerlichen Frauen. Schon als Kleinkind nahm ihre Mutter Maud mit in die Wäscherei, selber begann Maud als Siebenjährige Teilzeit, mit zwölf Vollzeit dort zu arbeiten. In einprägsamen Bildern zeigt der Film die Arbeitsatmosphäre, die durch giftige Dämpfe und die sexuellen Übergriffe des Chefs extrem belastet ist. Ebenfalls gibt der Film Einblick in Maud Watts’ Familienleben: Ihr Mann Sonny (Ben Whishaw) wendet sich entschieden gegen ihr zunehmendes politisches Engagement. Als Maud wiederholt von der Polizei festgenommen wird, zerbricht die kleine Familie.

In schnellem Wechsel mit Szenen aus Mauds Leben zeigt «Suffragette» die verschiedenen Kampfformen der Frauenrechtlerinnen. Ab 1912 wenden sie sich militanten Aktionen zu. Wir sehen Suffragetten, die Schaufensterscheiben einwerfen, Briefkästen in die Luft jagen und Telegrafenleitungen sabotieren – und auch den eigenen Tod nicht fürchten. Die Strategie dahinter entwickelt die Vorkämpferin der Suffragetten, Emmeline Pankhurst (Meryl Streep). Nach einer Rede trifft sie auf Maud und spricht: «Never surrender. Never give up the fight» (Kapituliere nie. Gib nie den Kampf auf). Es dauerte eine ganze Weile, bis die Hauptforderung der Suffragetten umgesetzt wurde: 1928 erhielten die Frauen in Britannien das Wahlrecht.

«Suffragette» ist ein unterhaltsamer Geschichtsfilm mit einer vielschichtigen Protagonistin. Die anderen Figuren sind jedoch klischeehaft, der Plot erwartbar – und die historischen Konturen bleiben unscharf.

Ab 4. Februar 2016 im Kino.

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