Nr. 07/2016 vom 18.02.2016

Von Daniela Janser

Punk im Blut

Macht sie eigentlich auch mal was falsch? Neben ihrer makellosen musikalischen Karriere gibt Sophie Hunger, die kosmopolitische Schweizer Diplomatentochter mit Punk im Blut, kluge und versponnene Interviews. Auf ihrem Twitter-Account startete Hunger eine witzige lose Reihe mit mal alltagsweltlichen, mal ganz harten politischen Merksätzen: «Regel 13: Sei dir im Klaren, dass Kapitalismus und Demokratie ein Widerspruch sind.» Überhaupt nimmt sie kein Blatt vor den Mund. Bono von U2? Der «am Unverblümtesten widerliche Opportunist auf dem Planeten Musik». Das Manifest von Philipp Ruch vom Zentrum für politische Schönheit? «Reinster, dümmlicher Narzissmus».

Dem öffentlichen Zugriff auf ihr Privatleben entzieht sie sich weitgehend. Kennenlernen kann man Sophie Hunger am besten bei einem Konzert. Zurzeit tourt sie mit ihrer aktuellen Platte «Supermoon» erneut durch die Schweiz. Ihre Musik durchmisst spielend alle Tiefen und Untiefen des Daseins. Oder wie es auf «Spiegel Online» heisst: «Sophie Hunger zieht uns mal auf die Tanzfläche, mal schubst sie uns auf den Stuhl, zum Konzentrieren, Zuhören. Fern- und Heimweh kollidieren unter diesem ‹Supermoon› in einem fiebrigen, rastlosen Gefühl: Wie soll man denn eigentlich das Leben geniessen, sich am Guten festhalten, in all diesem Chaos?»

«Sophie Hunger. Supermoon» in: Schaffhausen Kammgarn, Do, 18. Februar 2016; Luzern Südpol, Fr, 19. Februar 2016; Basel Kaserne, Sa, 20. Februar 2016; Solothurn Kofmehl, Fr, 26. Februar 2016; Jona Kreuz, Sa, 27. Februar 2016. www.kammgarn.ch, www.sudpol.ch, www.kaserne-basel.ch, www.kofmehl.net, www.kreuz-jona.ch

Auswärts zu Hause

Hotels sind Projektionsflächen, aus der Zeit gefallene Parallelwelten, aber auch steingewordene Albträume. Man ist in ihnen daheim, aber nie ganz. Auch deshalb sind sie ideale Schauplätze für Sigmund Freuds Idee vom Unheimlichen. Dies machen sich Filme gern zunutze, etwa «The Shining» von Stanley Kubrick, mit Jack Nicholson als wahnsinnigem Familienvater im Kampf mit seinem übersinnlich begabten Sohn.

Andere Filmemacher setzen mehr auf die malerische Verschrobenheit alter Grandhotels wie Wes Anderson in «Grand Budapest Hotel». Dies sind nur zwei Beispiele aus der Reihe «Menschen im Hotel», die in den kommenden Wochen im Zürcher Kino Filmpodium zu sehen ist. Mit «Der letzte Mann» und «Grand Hotel …!» werden auch zwei Stummfilme aus den zwanziger Jahren mit Liveklavierbegleitung je einmalig aufgeführt.

Filmreihe «Menschen im Hotel» in: Zürich Filmpodium, bis 27. März 2016. www.filmpodium.ch

Schöne neue Arbeitswelt

Die globalisierte Wirtschaft ist geprägt von Krisen, einem oft seltsamen Jargon und einer grossen Müdigkeit. Das Theaterstück «Zersplittert» der Rumänin Alexandra Badea spiegelt diese Welt in den unterschiedlichen Erfahrungen von vier ArbeiterInnen auf drei Kontinenten, die alle für dasselbe Kommunikationsunternehmen arbeiten. Bei der Fliessbandarbeiterin in Schanghai wird jeder Toilettengang überwacht, der europäische «Head of Quality» leidet unter Jetlag, und ihnen allen kommen vor lauter Arbeit Alltag und Beziehungen abhanden. Badeas preisgekröntes Stück von 2014 hat im Aarauer Theater Marie seine Schweizer Uraufführung.

«Zersplittert» in: Aarau Theater Marie, Sa, 20. Februar 2016, 20.15 Uhr, So, 21. Februar 2016, 17 Uhr, Di, 23. Februar 2016, 20.15 Uhr. www.theatermarie.ch

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