Nr. 07/2016 vom 18.02.2016

Irgendwie radikalisiert

Von Daniela Janser

Dieses Buch ist wie Frankensteins Monster. Doch statt aus Leichenteilen ist es aus blassen Figuren und Klischees zusammengesetzt. «Bad News» des Zürcher Journalisten Bruno Ziauddin sei ein Schlüsselroman über Roger Köppel und die «Weltwoche», hiess es vorab. Autor Ziauddin wies dies nur halbherzig von sich.

Tatsächlich gibt es einige Unterschiede und manche Gemeinsamkeiten zwischen Ziauddin und der Hauptfigur M. Dieser M. wird als «einer der begabtesten Journalisten seiner Generation» vom Chefredaktor der «wichtigsten Wochenzeitung des Landes», alias Roger Köppel, in eine leitende Position berufen. «Gemeinsam können wir dieses Land verändern», sagt der Chef beim Nachtessen. Das kommt dem neuen Mitarbeiter schon ein wenig seltsam vor. Während der Chefredaktor seine Zeitung nun beharrlich nach seinen eigenen grossspurigen Sprüchen zurechtmodelliert, warten wir LeserInnen leider vergeblich darauf, dass das Brennglas des Romans endlich schärfere Bilder dieses Vorgangs liefert. Doch die Einsichten bleiben schwammig: «Rechts ist das neue Links», verkündet der Chef «triumphierend».

Ein Gotteskrieger muss her. Er kommt in Gestalt von Damir, Bosnienflüchtling der zweiten Generation und Kiffer. In Mohameds Shishabar am Stadtrand und in einer Moschee wird er irgendwie radikalisiert. Aber weder diese Verwandlung in einen messerbewehrten Attentäter noch das wachsende Unbehagen des wenig fassbaren Hipsterjournalisten noch die Motivation des Chefredaktors selber werden plausibel. Der Autor von «Bad News» scheint genauso unentschlossen und fahrig wie seine Hauptfigur. Und die Schilderung der Geschlechterverhältnisse im Roman könnte sogar von Roger Köppel himself stammen: «Wenn eine schöne Frau einen Raum betrat, liessen sich die Reaktionen der Männer in drei Kategorien einteilen: Es gab den Typ Pawlow, den Typ Doppelagent und den Typ Mike Tyson.» Mit einem weiteren Romanzitat müssen wir deshalb folgenden Schluss ziehen: «Im wahren Leben verhalten sich die Dinge nicht so simpel wie in einem Trivialroman.»

Wer wirklich etwas über Köppels Rechtsrutsch erfahren will, sollte das Porträt im «Spiegel» Nr. 7/2016 lesen.

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