Nr. 08/2016 vom 25.02.2016

Am Ende gewinnen die Katzen

Von Silvia Süess

Plötzlich waren sie da, die Filme, Lieder, Bilder, Kleber, Texte, Aktionen, Stempel, Buttons und Plakate gegen die «Durchsetzungsinitiative». In den letzten Wochen liefen Kunstschaffende in der Schweiz zur produktiven Hochform auf.

Laufen tun zum Beispiel Schafe: Im Film des Collective Bièvre jagen vier als weisse Schafe verkleidete Menschen ein schwarz verkleidetes Schaf zu rasanter Akkordeonmusik, um es am Ende zu umarmen. «Sei kein Schafskopf. Du bist nicht rassistisch», steht am Schluss des Films. «I bi kes Schaf, dir sit kes Schaf», sagt auch Sophie Hunger in einem Video, in dem sie sich für den Swiss Music Award bedankt und für ein Nein appelliert. Es soll so hart sein wie ein Stein.

Sänger und Schauspieler Carlos Leal erinnert sich, wie er selbst in der Jugend über die Stränge schlug, und zeigt sein – noch immer sehr schönes – Gesicht, auf der Stirn steht «Immigré». Mit Humor gehen es die Band Knuts Koffer und Rapper Greis an. In ihrer Koproduktion «Drum sägi Nei» denken sie das Ganze ein bisschen weiter: In einem Bauernhof wackeln sie gemeinsam mit Hühnern im Takt und fragen sich, was wohl passiert, wenn keine AusländerInnen mehr im Land leben: «Söll ich krimineller als d Usländer si?» Jungkomiker Bendrit Bajra wiederum verging ob der Initiative kurz das Lachen – in einem ersten Film griff er die SVP-Nervensäge Erich Hess persönlich an. In einem zweiten macht sich der beleibte Bendrit nun über sich selbst lustig: Anhand eines McDonald’s-Einbruchs wegen eines Cheeseburgers um fünf Uhr morgens schildert er die möglichen Folgen der Initiative aus persönlicher Sicht und schliesst mit einer Erklärung für die Dummen: «Aso, me isch dumm, weme Ja stimmt.»

Für alle, die noch immer zweifeln, hat Renato Kaiser schliesslich in seinem Selfie-Filmchen die ultimative Argumentationskette: «Weniger erfolgrichi dummi Initiative git weniger Lüt, wo Angscht hend, dass sie agno werde, git weniger politische Posts uf Facebook, git: mee Chatzevideos.»

Mit Eishockeyspieler Morris Trachsler von den ZSC Lions stellt sich immerhin ein Sportler offiziell gegen die Initiative.

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