Nr. 23/2016 vom 09.06.2016

Bei Deville wird Fäkalhumor zum Höhepunkt

Von Florian Keller

Wie wärs herausgekommen, wenn die Schweiz dereinst das Grundeinkommen eingeführt hätte? Die Reporterin vom Leutschenbach hat plötzlich keine Lust mehr, dann lässt auch der Kameramann alles liegen, und am Ende hängts auch dem Texter des Livetickers aus: «Fuck you, fuck you, Gaggi Gaggi Gaggi.» Nur die Putzfrau muss weiterarbeiten, die ist leider Ausländerin.

Das Land kollabiert, die SRG sowieso und als Garnitur ein bisschen Fäkalhumor: Es war die beste Nummer in der zweiten Folge von «Deville», der neuen Late-Night-Show beim Schweizer Fernsehen (SRF). Das Blöde daran: Der Sketch fällt auf die MacherInnen zurück, denn angesichts des Rests der Sendung muss man sagen: Grundeinkommen wär vielleicht gar nicht schlecht, dann müssten Showmaster Dominic Deville und sein Team nicht mehr arbeiten.

Wir wollten ja nicht schon in der Testphase den Stab brechen über «Deville», aber nach den ersten zwei Folgen weiss man immer noch nicht, was diese Sendung eigentlich will. Ausser eben Sendezeit zu füllen. Experimente mit dem Showformat: Fehlanzeige. Manuel Stahlberger als Sidekick: chronisch unterbeschäftigt. Und Mona Vetsch als Studiogast in der ersten Folge hatte scheints die besseren Gagschreiber als die Show selbst. Dazu ein Kurzauftritt von Rächt Extrem, zwei jungen Barden aus Biel, die lauthals vom Pissen und Kotzen sangen. Das war wenigstens so etwas wie ein Affront, weil inbrünstig pubertär: Punk im Primarschulformat.

«Wir sind jetzt offiziell Teil vom Problem», so hatte Dominic Deville im April auf Facebook notiert, zum Bild eines Mikrofons mit SRF-Logo. Das war damals, so vermuten wir mal, als Witz gemeint, aber inzwischen wirkt es mehr wie eine präventive Ausflucht. Wir hätten ja nicht gedacht, dass das so schnell geht, aber der Witz ist wahr geworden.

Die dritte und vorletzte Folge von «Deville» läuft am Freitag (10. Juni 2016), 23.45 Uhr, auf SRF 1.

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