Nr. 28/2016 vom 14.07.2016

Von Florian KellerMail an Autor:in

Manche mögens blond

Kein Witz: Das Open Air im Kinok St. Gallen steht diesmal ganz im Bann der Blondinen. Und weil das Kino von jeher immer wieder blonden Frauen verfallen ist, kommt da ein ganz prächtiges Programm zusammen: Marlene Dietrich stiehlt Juwelen («Desire»), Nicole Kidman geht über Leichen («To Die For»), Jean Seberg spaziert durch Paris («À Bout de Souffle»), um nur ein paar zu nennen. Marilyn Monroe tanzt leider nur im Saal, nicht unter freiem Himmel («Gentlemen Prefer Blondes»). Und wenn wir noch etwas beckmessern dürfen: Von Alfred Hitchcock gäbe es doch viel blondere Filme als «Rear Window», nicht?

«Blond!» in: St. Gallen Kinok, bis 30. Juli 2016, Open Air jeweils Do–Sa, 21.45 Uhr (bei schlechtem Wetter im Saal). Genaues Programm: www.kinok.ch.

Die Prärie im Café Kairo

Wozu auf den Gurten pilgern? Im Garten unten ist es doch viel schöner, und man wird hier auch nicht von musikalischen Landplagen wie Wanda behelligt. Wobei das Café Kairo in Bern mit seinem diesjährigen Gartenfestival fast wie eine Zürcher Enklave tönt, mit Baby Jail, Nadja Zela und Evelinn Trouble. Von weiter weg reisen die vier Herren mit dem kurios bürokratischen Namen The Desoto Caucus an: Ihre Musik ist in der Prärie daheim, und der Sänger wäre auch bei Calexico gut aufgehoben, dabei stammt die Band aus Aarhus. Aber diese Dänen sind auch in Arizona ortskundig, und sie haben ein Meisterdiplom in Americana: Als Giant Sand waren sie nämlich lange Jahre mit Howe Gelb unterwegs.

Gartenfestival in: Bern Café Kairo, Fr/Sa, 15./16. Juli 2016. Genaues Programm und Vorverkauf siehe www.cafe-kairo.ch.

Marc Ribot in der Fabrik

Erst letztes Jahr war Mary Halvorson mit Anthony Braxton am Taktlos-Festival zu hören, jetzt kehrt die derzeit wohl aufregendste Jazzgitarristin in die Rote Fabrik zurück – diesmal als Mitglied der Young Philadelphians, die Marc Ribot um sich geschart hat. Nach den «falschen Kubanern», den «entwurzelten Kosmopoliten» und dem «keramischen Hund» mag das ein für Ribots Begriffe fast schon fantasieloser Bandname sein, aber auf der Bühne wird der Gitarrist seinem Credo der Unberechenbarkeit treu bleiben. An den Drums sitzt Calvin Weston aus der Prime-Time-Band von Ornette Coleman, ein Cello und zwei Violinen komplettieren die Band.

Marc Ribot & the Young Philadelphians in: Zürich Rote Fabrik, Seebühne, Fr, 15. Juli 2016, 20.15 Uhr.

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