Nr. 34/2016 vom 25.08.2016

Von Silvia Süess

«Kanakentribunal»

In Bern trägt eine Zunft den Namen «zum Mohren», ihr Wappen zeigt den Kopf eines Schwarzen, der eine Feder auf dem Kopf trägt. Vor zwei Jahren reichte der Berner SP-Stadtrat Halua Pinto de Magalhães einen Vorstoss ein, der den Gemeinderat beauftragen sollte, mit der Denkmalpflege und der Burgergemeinde eine Lösung für rassistische Darstellungen im öffentlichen Raum zu erarbeiten.

Darauf ging das Geschrei los, von Bildersturm, Geschichtsumschreibung und fragwürdigem Postulat war die Rede. Wirklich? Ein paar wenige WissenschaftlerInnen, die sich seit Jahren mit dem Postkolonialismus auseinandersetzen, schauen nun genauer hin. Am 2. Berner Rassismusstammtisch organisieren sie ein «Kanakentribunal» und rollen den Fall des «Berner Mohren» neu auf. Das Gericht sammelt Beweise, hört ZeugInnen an, erzählt die Geschichte neu und zeigt auf, wo der Rassismus hockt. Anschliessend wird an der Bar zu Musik und Palaver geladen.

2. Rassismusstammtisch in: Bern Progr (EG West), Do, 25. August 2016, 19.30 Uhr. www.unafestival.ch

Die Schutzsuchenden

Nachdem sich in Zürich mehrere Theater gleichzeitig mit Elfriede Jelineks Schrift «Die Schutzsuchenden» auseinandergesetzt haben, spielt nun das Schalk-Theater unter der Regie von Nina Hesse «Bang! Bang! Mein Herz ist eine Muschel», das auf Jelineks Vorlage basiert. Die LaienschauspielerInnen, die alle IV beziehen, spinnen Jelineks Text weiter und übertragen ihn in ihre eigene Lebenswelt. Wie es im Pressedossier heisst: «In der denkbar einfachen, augenfällig aktuellen Grundanlage des Stückes – den Asylverhandlungen einer Gruppe von fünfzig über das Mittelmeer nach Griechenland geflüchteten Frauen – entspinnen sich Konflikte, die mit der politischen Lage unserer Tage genauso eng verknüpft sind wie mit der gesellschaftlichen Realität unserer Spielenden.»

«Bang! Bang! Mein Herz ist eine Muschel» in: Zürich Kulturmarkt, Do, 25. August 2016, 20 Uhr, Premiere. Weitere Vorführungen: Sa, 27. August 2016, Di, 30. August 2016, Mi, 1. September 2016, jeweils 20 Uhr. www.schalktheater.ch

Theaterfestival

Ein eigenes kleines Festival im Festival: Am Theaterfestival Basel, das erneut unter der künstlerischen Leitung von Carena Schlewitt stattfindet, zeigt die englische Performancegruppe Forced Entertainment «Complete Works: Table Top Shakespeare». Sie bringt alle 36 Dramen von Shakespeare in Basel auf die Bühne und von dort mit einem Livestream in die ganze Welt.

Für ihre Inszenierung braucht sie nicht mehr als einen Tisch, eine Auswahl von Alltagsgegenständen und höchstens sechzig Minuten pro Stück. Bombastischer als im spartanischen Setting von «Forced Entertainment» geht es am Eröffnungsabend zu und her: «Sound of Music» von Yan Duyvendak ist ein pompös inszeniertes Musical, in dem es um Arbeitslosigkeit, Depression, Flugzeugabstürze und aussterbende Tierarten geht.

Wem das eine zu spartanisch und das andere zu pompös ist, der hat viele Alternativen: Zur Auswahl stehen während fast zweier Wochen zwanzig Produktionen aus siebzehn Ländern in fünf Spielstätten sowie in öffentlichen Räumen in Basel, Birsfelden und Liestal.

Theaterfestival in: Basel verschiedene Orte, Festivalzentrum: Kaserne, Di, 30. August 2016, bis Sa, 11. September 2016. www.theaterfestival.ch

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