Nr. 39/2016 vom 29.09.2016

Wi-Wi-Widmerwoche!

Ruedi Widmer wocht für Sie Reste auf

Von Ruedi Widmer

Diese Kolumne kann vom Nachrichtendienst der Schweiz zur Qualitätssicherung und zur Ausbildung von MitarbeiterInnen mitgelesen werden.

Wie erwartet ist die Vorlage «Grüne Wirtschaft» beim Volk nicht angekommen. Hätte man doch keinen Parteinamen im Initiativtitel geführt! Blaue Wirtschaft, Rosa Wirtschaft oder Violette Wirtschaft hätte den Leuten eventuell besser gefallen. Aber mit Farben ist es eben so eine Sache.

Das führerlose Postauto in Sion ist letzte Woche erstmals mit einem Lieferwagen zusammengestossen. Das Projekt wird nun gestoppt. Der Lieferwagenbesitzer erhält zur Entschädigung ein Jahr Vortritt am Postschalter und darf das Postauto behalten.

Das Schweizer Stimmvolk lässt sich neu freiwillig überwachen. Beim Nachrichtendienst werden einige Dutzend neue Stellen geschaffen. Diese Leute sind schon jetzt zu bemitleiden, müssen sie doch das ganze E-Mail-Geschreibsel des Durchschnittsbürgers mitlesen. Von den richtig grossen Fischen werden sie nichts mitbekommen. Dieses Konzept bewährt sich schon beim französischen Geheimdienst.

Bei der Datenabschöpfung durch die amerikanische NSA störten sich die Schweizer nicht an der Überwachung an sich, sondern daran, dass der Dienst aus den USA stammt und nicht ein einheimischer Arbeitgeber ist.

Bundesrat Alain Berset gab am letzten Montag die Aufschläge der Krankenkassenprämien um 4,5 Prozent bekannt. Zum Glück entscheidet so was der Bundesrat, denn das Schweizer Stimmvolk vom letzten Abstimmungswochenende hätte mit grosser Begeisterung für noch viel höhere Aufschläge gestimmt.

Das Stimmvolk stimmte gegen höhere Renten für sich selber. Mit der AHV ist es wie mit der Billag: Warum soll ich überhaupt AHV zahlen, ich bin ja gar nicht Rentner.

Die SVP ist zornig, weil ihre Vision «Masseneinwanderungsinitiative» nur noch ein «Inländervorrang light» ist. Sie will am 9. Februar 2017 in Bern dagegen demonstrieren, wie der parteieigene Nationalrat Lukas Reimann bekannt gab. Vielleicht hätte er das schon früher ansetzen sollen, denn am 9. Februar werden wir ganz andere Sorgen haben. Donald Trump wird bis dann den Atombombenknopf im Weissen Haus gefunden haben.

Dem Berner Rocksänger Gülen ist die Schweiz «zu links», wie er in einem «Wut-Interview» dem «SonntagsBlick», seinem Vertragsblatt, bekannt gab. Züri West, Patent Ochsner, Stephan Eicher, Kutti MC, Sophie Hunger und vielen anderen Musikerinnen und Musikern ist die Schweiz zu rechts. Nur fehlen ihnen die nötigen Publikationsplattformen. Ringiers Antifaschist Frank A. Meyer könnte auch mal eine andere Plattform suchen.

Der durchsichtige Chauffeur des Sittener Postautos findet sicher eine neue Stelle bei der Südostbahn, die am Wochenende erste Versuche mit führerlosen Zügen bekannt gab.

Angelina Jolie und Brad Pitt wären in Vergessenheit geraten, hätten sie sich nicht getrennt.

Den FreundInnen nationaler Alleingänge sind die Vorgänge in der abspaltungswilligen Republik Srpska in Bosnien vor Augen zu führen. Ein neuer Balkankrieg dürfte das Hurra für ein friedliches Nebeneinander abgeschotteter, kriegsgeiler Nationalstaaten weiter steigern.

In Österreich ist wegen nichtklebender Couverts der Nationalsozialist Hofer immer noch nicht als Bundespräsident gewählt. Hoffentlich gibt es noch undichte Urnen, zerbröselnde Wahlzettel, neue Rechtschreiberegeln (wie schreibt man jetzt «Hofer»?).

In Deutschland soll die frei werdende Bundespräsidentenstelle offenbar mit einem Türken besetzt werden. Der «Spiegel» schrieb: «Union und SPD wollen die Gauck-Nachfolge gemeinsam regeln – am liebsten mit einem überparteilichen Kompromisskandidaten: Kürzel Ükoka.»

Ruedi Widmer ist Kunde des schweizerischen Nachrichtendienstes und wohnt in ███████████.

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