Nr. 49/2016 vom 08.12.2016

Widmerwoche: Keine Fake-News!

Ruedi Widmer über Rechtsrücken, Müllermilch und Neumänner

Von Ruedi Widmer

Die reichsten der 300 Schweizer heissen weiterhin Kamprad, Oeri, Blocher und Theo Müller («Müllermilch»). Zumindest die reichsten der 300 bekanntesten.

Ungarische Aufenthaltsbewilligungen erhält man als Ausländer bei Präsident Orban für 60 000 Euro. In der Schweiz gibts das Gleiche für 100 000 Franken. Ausländerhass hat nichts mit der Hautfarbe zu tun, sondern mit zu wenig gefüllten Portemonnaies. Man stellt sich vor, wie viel Geld Merkel mit der Million Flüchtlinge in Deutschland hätte machen können, wenn sie Geschäftsfrau (wie Dr. Trump) wäre statt Chemikerin. Müssten AusländerInnen endlich Eintritt bezahlen, hätten wir auch keine Rechtsparteien, sondern die Schande wäre hasslos im System installiert, so wie in den guten alten Zeiten.

Der gescheiterte FPÖ-Bundespräsidentschaftskandidat Hofer hatte einfach eine zu normale Frisur.

FDP-Nationalrat Philipp Müller liess die perplexen SVP-Granden hinter seinem Inländervorhang verschwinden.

Das GFS-Befragungsinstitut klingelt gerade vergeblich. Vermutlich möchte es fragen, wie man in Zukunft die Leute befragen soll, damit sie jene PolitikerInnen wählen, die in der Umfrage vorne stehen.

Aber eigentlich ist der heisse Scheiss nicht mehr am Telefon (SP), sondern auf Facebook. Das «Magazin» berichtet von der Aushorchung der Facebook-UserInnen durch die Firma Cambridge Analytica, der wir den Brexit und Donald Trump zu verdanken hätten. Unsere Rechten sind darüber so erfreut, dass sich im Rückblick ihr Ärger über die Aushorchung durch die NSA eigentlich nur dadurch erklären lässt, dass Letztere staatlich, Cambridge Analytica aber so wunderbar privat ist.

Roger Köppel hat Nationalrat Philipp Müller auf dem Cover der «Weltwoche» als Alfred E. Neumann dargestellt, und jetzt empören sich alle. Sollte man nun der «Weltwoche» auch die staatlichen Zuschüsse streichen (130 000 Franken im Jahr an Bundeshauskorrespondent Köppel)? So als Bestrafung?

Das Müllermilch-Imperium baut aus: Neu im Sortiment sind der Müllerinländervorrahm und Müllerinländervorrahm light sowie der Müllerlandesverrahm.

Der erwähnte «Magazin»-Artikel wurde in den sozialen Medien sofort als erste linke Fake-Nachricht bezeichnet. Weil man seit drei Wochen weiss, dass Fake-Nachrichten nicht aufklären, sondern die schon bestehende Meinung zementieren sollen, kann es nicht sein, dass ein Artikel, der ausnahmsweise mal den Linken sofort einleuchtet, echt ist.

Am letzten Wochenende hatten wir Österreich und Italien, 2017 haben wir Frankreich, Holland, Deutschland. Irgendwann kommen Schweden, Kroatien, Dänemark, Griechenland, die Färöer, Zypern und mehr. Die Europameisterschaft im Rechtsrücken ist auf dem Höhepunkt. Für Kinder gibts Panini-Bildchen!

Kaum ist die Abstimmung durch, will die Atomlobby schon wieder neue AKWs bauen. Sie ist wie ein Sexualstraftäter, der Ausgang erhält und sofort wieder zuschlägt.

Die SP hat in Thun ihren Parteitag gehabt und die Überwindung des Kapitalismus verhandelt. Das dort Gesprochene war für Bürgerliche so abgehoben, dass die NZZ ihren Feuilletonchef René Scheu hinschicken musste.

Der neue Verteidigungsminister der USA, Viersternegeneral James Mattis, findet nach eigener Aussage Spass daran, Menschen zu töten. Endlich stellen sich die USA auf Augenhöhe mit dem Islamischen Staat. So können die beiden endlich Frieden machen und einig unter dem Label USIS der Menschentöterei nachgehen.

Die Zäpfchenpartei CVP steckt tief in der SVP drin.

Die Zürcher St. Nikolausgesellschaft wurde von Anfragen nach Samichläusen überhäuft. Es fehlt Personal, jetzt bietet sie für die Kinder ein Samichlaustelefon an. Wir meinen, hier die erste sinnvolle Einsatzmöglichkeit für Roboter zu erkennen.

Ruedi Widmer ist Cartoonist in Winterthur.

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch