Nr. 48/2016 vom 01.12.2016

Wie erklären Sie uns Österreich?

Markus Binder, Christoph & Lollo, Robert Stadlober, Doris Knecht, Marlene Streeruwitz, Nadja Maleh und Gunkl antworten.

«Während die anderen mit Pessimismus in die Zukunft blicken, wird in Österreich mit Optimismus in die Vergangenheit geschaut. Und die alt aussehende Gegenwart wird international mit Machokratien überschwemmt.
Markus Binder, Musiker (Attwenger)

«Schweizer, die Österreich verstehen ­wollen, müssen zuerst Gemütlichkeit verstehen. Gemütlichkeit bedeutet: Noch ein Schweinsbraten. Noch drei Gläser Wein. Einander zustimmen. Mit denen, die nicht zu­stimmen, nicht reden. Nichts ändern. Stattdessen beschweren. Dann wieder Schweinsbraten. Man kann sehr gut leben so.»
Christoph & Lollo, Liedermacher

«Ein Kleinstadtwirtshaus am Sonntag. Einer, angeblich Ingenieur, schmeisst Lokalrunde nach Lokalrunde. Alle freuen sich, von der Fabrikbesitzergattin bis zum Vollzeittrinker. Zum Zahlen jedoch ist der Spendable verschwunden. Man staunt bewundernd über List und Frechheit des Ingenieurs. Österreich.»
Robert Stadlober, Schauspieler

«Österreich? Salzen, pfeffern, in Mehl wenden, in Ei, dann in Semmelbröseln; goldgelb und knusprig herausbacken. Die perfekte Panier (in Wien auch: feine Kleidung) macht Gutes noch besser. Und auch wenn etwas schon sehr gestrig riecht: Einfach eine schöne Panier rundherum, dann schmeckts schon.»
Doris Knecht, Schriftstellerin und Kolumnistin

«Seit 1789 Angst vor der Revolution. Seit 1848 Konstitutionssehnsucht. Die katholische Kirche immer schon moralische Staatsanstalt, sich kaiserlos in den Austrofaschismus steigernd. Dann Gott durch das deutsche Volk und den ­Führer ersetzt. Demokratie nach­gelernt. Selbst­bewusstsein nicht. Männernostalgie. Jetzt.»
Marlene Streeruwitz, Schriftstellerin

«Gar nicht!! Denn wie meinte Oscar Wilde so schön: ‹Frauen sind da, um geliebt, nicht um verstanden zu werden.› Das Gleiche gilt auch für Österreich! Vieles ergibt keinen Sinn, aber egal – s Herzerl aufmachen und geniessen! Es is ois hoib so wüd!»
Nadja Maleh, Kabarettistin

«Den im Folgenden beschriebenen Sachverhalt ausser Acht lassend, lässt sich Österreich so darstellen: Die geistige Heimat des Österreichers ist das Ungefähre.»
Gunkl, Kabarettist und Musiker

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