Nr. 02/2017 vom 12.01.2017

Von Daniela JanserMail an Autor:in

In alle Himmelsrichtungen

Dringend gefragte «Visionen für eine neue Welt» verspricht die achte Auflage des Musik- und Filmfestivals Norient. Premiere in der Schweiz feiert der Litauer J. G. Biberkopf, der mit seiner audiovisuellen Performance «Ecosystems of Excess» nichts weniger als die unbewussten Triebe des 21. Jahrhunderts anzapfen will. Der Musikproduzent und urbane Klangjäger Nick Koenig alias Hot Sugar arbeitet nach dem überwältigend offenen Grundsatz: «Anything can be turned into anything.» In Adam Bhala Loughs Film «Hot Sugar’s Cold World» zeigt er, wie man mit menschlichen Knochen und Totenköpfen trommelt. Oder wie er am Eingangstor der Notre Dame und in den Clubkellern von Paris die Trennung von seiner Liebsten verarbeitet. Und schon sind wir mittendrin im Spannungsfeld, das der Untertitel des Festivals aufwirft: «Realism and Romance». Daneben ist am Norient eine Auswahl von acht weiteren Dokumentarfilmen zu sehen – und spätnachts dann die südafrikanische Rapperin Dope Saint Jude und die chinesische Künstlerin Dis Fig mit einem DJ-Set.

8. Norient Musikfilmfestival in: Bern Reitschule, Lausanne Le Bourg und St. Gallen Palace, vom 12. bis 15. Januar 2017. www.norient.com

Ungewissheit als Befreiung

Platons Höhlengleichnis hat in unserem Zeitalter der Wirklichkeitsverwirrung gerade wieder Konjunktur. Halten wir tagtäglich tanzende Schatten an der Höhlenwand für die Wirklichkeit? Und wenn ja, wer führt uns ans Tageslicht? Und ist das überhaupt erstrebenswert? Die musikalische Performancegruppe pulp.noir will sich in ihrer Sound-Wort-Video-Installation solcher Fragen annehmen. Und dabei zeigen, dass Ungewissheit auch Freiheit bedeuten könnte. Das Publikum darf für einmal lustvoll zum Höhlenmenschen regredieren.

«Plato’s Cave» in: Zürich Walcheturm, So, 15. Januar 2017, bis So, 22. Januar 2017. www.walcheturm.ch

Den Röstigraben zuzeichnen

In der frankofonen Welt ist Titeuf mit der blonden Extremtolle, die ihm wie ein Geysir aus dem Kopf wächst, schon längst ein Superstar. Der auf ewig zehnjährige Schulbub Titeuf ist die bekannteste Figur des Westschweizer Zeichners Philippe Chappuis alias Zep, auch dank TV-Auftritten und sehr geglücktem Kinofilm. Im deutschsprachigen Raum darf diese etwas versautere und vor allem zeitgenössische Variante der älteren Kultfigur «Le petit Nicolas» noch entdeckt werden. Das Basler Cartoonmuseum machts möglich. Gleichzeitig werden aber auch andere, weniger bekannte Werke aus Zeps bereits 25-jährigem Schaffen gezeigt.

«Dr. Zep & Mr. Titeuf» in: Basel Cartoonmuseum, bis 23. April 2017. www.cartoonmuseum.ch

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