Nr. 02/2017 vom 12.01.2017

Meine Bank ist Punk (lieber nicht)

Von Florian KellerMail an Autor:in

Punk, dieser alte Bastard, ist ja bekanntlich nicht tot, dafür ist er jetzt endgültig in der Vermögensverwaltung angekommen. Zumindest bei der Berliner Sparkasse ist das so, die neuerdings mit einem Postergirl namens Theresa (28) wirbt: Silberblond gefärbte Strähnen fallen ihr ins Gesicht, dazu ein Nasenring und Sommersprossen und ein Blick, so stahlblau und durchdringend, als wär sie ein Cyborg. Das Testimonial dieser Musterkundin müsste man auf ein Kissen sticken: «Mein Private Banking ist PUNK.» Ausgeschrieben heisst das laut Sparkasse: «Persönlich. Unkonventionell. Natürlich. Kosmopolitisch.» Oder wie Theresa sagt: «Meine Bank erkennt das Potential meiner Ideen und wertschätzt, was ich bislang erreicht habe.» Punk halt.

Was aber hat es zu bedeuten, wenn jetzt sogar Private Banking angeblich Punk ist? Heisst das, dass die Kommodifizierung einer Subkultur ihr Endstadium erreicht hat? Oder ist das nur ein Beweis mehr dafür, dass der Kapitalismus noch den letzten widerspenstigen Körper absorbiert und als geruchsneutrale Scheisse wieder ausscheidet? Die nächste Stufe in der Eskalation der Reklame wäre dann wohl: «Mein Private Banking ist IS.» Steht für: Individuelle Steueroptimierung. (Gern geschehen, liebe Berliner Sparkasse, die Auftragspauschale von 20 000 harten Franken überweisen Sie bitte direkt an den Recherchierfonds des ProWOZ.)

Aber wir wollen es nicht überstrapazieren. Man muss ja auch nicht jeden Fall von fortschreitender Blödheit in der Werbung mit kulturpessimistischem Furor adeln, zumal sich die Berliner Sparkasse mit ihrer eisernen Theresa so offensichtlich ins eigene Bein schiesst. Im Ernst, würden wir unser Geld echt einer Bank anvertrauen, die sich in der Verwaltung unseres Privatkapitals wie ein Punk gebärdet? Da können wir unser Erspartes ja gleich zu Bill Drummond und Jimmy Cauty bringen, den beiden Punks von The KLF, die 1994 ernst machten und auf einer schottischen Insel eine Million britische Pfund verbrannten.

Bill Drummond und Jimmy Cauty haben übrigens für den 23. August eine noch unbestimmte Art von Comeback angekündigt nach dem Motto «2017: What the fuck is going on?». Das wüssten wir auch gern.

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