Nr. 03/2017 vom 19.01.2017

Von Kaspar SurberMail an Autor:in

Mint Mind

Dass Mint Mind am Montag in Luzern spielen und am Mittwoch in Zürich, passt ganz gut: Die Hamburger Band gehört zu jenen, die man gerne unter der Woche hört. Um ihren schnörkellosen Garagenrock machen sie kein Aufhebens, umso grösser ist dafür ihre Kenntnis der Musikgeschichte. Wen wunderts: Der Sänger von Mint Mind ist Rick McPhail, die US-amerikanische Gitarrenverstärkung von Tocotronic. Nach dem Konzert verkauft die Band ihre Musik auf Kassetten – bester Indie mit Stil halt.

Mint Mind in: Luzern Jazzkantine, Mo, 23. Januar 2017; Zürich Rote Fabrik, Mi, 25. Januar 2017.

Taufpatin des Punks

In der DDR liess sie sich zur staatlich geprüften Schlagersängerin ausbilden. Nach einer Solidaritätsbekundung für Wolf Biermann wurde sie 1976 ausgebürgert – und kam nach London, als dort der Punk losbrach. «To the Godmother of Punk» zollt Nina Hagen nun Tribut. Ein Streifzug von Punk bis Oper und ein Höllenritt durch sechzig Jahre pralles Leben wird versprochen. Auch die Ufos und andere transzendente Erscheinungen, von denen Nina Hagen in Talkshows gerne berichtet, werden selbstverständlich vorkommen. Schillernd und tanzbar geht das Programm an diesem Abend weiter: Melker wird über seine Wavebeats existenzialistische Chansons singen, Saalschutz spielen darauf ihren Ravepunk für eine bessere Welt.

«To the Godmother of Punk» in: Bern Reitschule, Dachstock, Sa. 21. Januar 2017, 22 Uhr.

In Göschenen

Die Literaturgeschichte ist vergesslich: Ein zu Lebzeiten gefeierter Autor kann schon eine Generation später kaum mehr beachtet werden. Ein Beispiel ist Ernst Zahn (1867–1952). Das Werk des Heimatdichters erreichte eine Auflage von fast vier Millionen und wurde hymnisch gefeiert. Als sich Zahn im Ersten Weltkrieg auf die Seite von General Ulrich Wille schlug, kam es zum Skandal: Er musste als Präsident des Schriftstellervereins zurücktreten. Charles Linsmayer hält in seinem Autorenlexikon fest, Zahn habe die Gabe besessen, in einem leicht altertümlichen Deutsch bis zum letzten Satz spannend zu erzählen. Zum 150. Geburtstag führt das Theater Uri in einem Livehörspiel Zahns Roman «Albin Indergand» über ein Urner Dorf in den Wirren der Franzosenkriege auf – im Bahnhofbuffet Göschenen, wo Zahn einst selbst wirtete.

«Albin Indergand» in: Göschenen Bahnhofbuffet, Di, 24. Januar 2017, 19.30 Uhr.

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch