Nr. 19/2017 vom 11.05.2017

Von Florian KellerMail an AutorIn

Entsorgungsparcours in Basel

Wann ist etwas Abfall? Was passiert mit Dingen, wenn sie zu Abfall werden? Und wann wird Abfall zu einer neuen Ressource? Diesen Fragen widmet sich das interdisziplinäre Forschungsprojekt «Wastescapes», das im Grenzraum Basel die Transportwege und Transformationsprozesse entlang von Recycling und Entsorgung erkundet. Das ausgemusterte Smartphone, die kontaminierte Erde vom Rückbau eines Gebäudes: Zu solchen Objekten und Materialien sind eigentliche «Biografien» angelegt worden.

In diesem Rahmen ist auch der Audiowalk «Wastescapes» entstanden, der exemplarische Entsorgungswege im Dreiländereck nachzeichnet – wo lokale Phänomene eng global verstrickt sind. Via Smartphone wird man an öffentliche, aber auch exklusive Orte geführt und mit Szenarien zwischen Science-Fiction und dokumentarischen Formen konfrontiert.

«Wastescapes Audiowalk» in: Basel Zwischennutzung Klybeckquai. Fr/Sa, 12./13. Mai 2017, 11 und 14 Uhr. Anmeldung: www.times-of-waste.ch.

Lauter mit fast lauter Jungs

Was nichts kostet, behauptet der Volksmund, ist auch nichts wert. Aber dieser sogenannte Volksmund behauptet ja auch sonst so manchen Schmarren, zum Beispiel über den Kanton Aargau. Beides wird jetzt wuchtig widerlegt am 9. Lauter-Festival in Zürich. Zwei Tage lang sind zum Nulltarif fast zwei Dutzend junge Bands zu entdecken – die meisten aus der Schweiz, aber der eine oder andere Gast aus Irland und Neuseeland ist auch dabei. Aus dem fernen Nachbarland namens Aargau kommen One Sentence Supervisor mit ihrem raumgreifenden Gitarrenpop zwischen Krautrock und Shoegaze, und die Ellas spielen ihren verträumten Indiepop mit einer Stimme, die klingt, als wäre die jüngere Schwester von Florence Welch am Mikrofon.

Aus dem Lauter-Musikkollektiv selbst gibts klassischen Indierock mit What Josephine Saw und schrammeligen Beachpop von Max and the McForelles. Wenn wir doch noch etwas mäkeln dürften: Über zwanzig Bands und DJs, aber die Frauen auf der Bühne kann man an einer Hand abzählen. Echt jetzt, Leute? Da ist noch Luft nach oben bis zum Jubiläum in einem Jahr.

Lauter-Festival in: Zürich El Lokal und Stall 6. Fr/Sa, 12./13. Mai 2017. Genaues Programm: www.lauter.ch.

Auf der Flucht am Augenauf

Drehen wir es einfach mal um: Europa ist kollabiert, die Schweiz ist zum Kriegsgebiet geworden, zerrissen zwischen deutscher und italienischer Besatzungsmacht. Wer kann, flieht in den Nahen Osten. Du bist dreizehn Jahre alt, als du dort in einem Flüchtlingslager landest, du kannst kein Arabisch, aber ohne Aufenthaltsgenehmigung kannst du auch nicht zur Schule gehen.

Dieses Gedankenexperiment spielt die dänische Autorin Janne Teller in ihrem Jugendbuch «Krieg. Stell dir vor, er wäre hier» (2011) durch. Taki Papaconstantinou hat den Roman für die Bühne bearbeitet, seine Theaterfassung ist am 12. Mai nochmals in Winterthur zu sehen, im Rahmen von Augenauf, dem Theaterfestival für ein junges Publikum. Auch mit den Gastspielen zeigt sich das Festival am Puls der Zeit: So tauchen etwa zwei Kunstkollektive aus Bremen mit «Out of Control» ins Darknet zwischen Utopie und Terror ab, während das Junge Theater Basel im Stück «Flex» die Geschlechterstereotype ausmistet, die uns den Kopf verstopfen. In Workshops und im «U16-Bühne frei Abend» gibt es für die Jugendlichen die Möglichkeit, selber die Bühne zu erobern.

Augenauf in: Winterthur diverse Spielorte. Do–Di, 11.–16. Mai 2017. Genaues Programm: www.augenauf-festival.ch.

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