Nr. 19/2017 vom 11.05.2017

Wider den Antiziganismus in der Schweiz

Von Adrian RiklinMail an AutorIn

Jenische, Sinti und Roma sind in der Schweiz noch immer diskriminiert und stigmatisiert: Zu diesem Schluss kommt die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) in ihrem «Schattenbericht», den sie zur Umsetzung des Rahmenübereinkommens des Europarats zum Schutz nationaler Minderheiten in der Schweiz verfasst hat.

Zur Erinnerung: 1998 hat auch die Schweiz dieses Rahmenübereinkommen ratifiziert. Heute sind hierzulande sprachliche Minderheiten, Jenische, Sinti und Manouches sowie Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft zumindest auf dem Papier als nationale Minderheiten anerkannt. Ein entsprechender Antrag von Romaorganisationen ist zurzeit in Prüfung.

Um das Rahmenübereinkommen erfolgreich umzusetzen, fordert die GfbV verschiedene Massnahmen: so zunächst die Anerkennung der Roma als nationale Minderheit – wie auch die Anerkennung von Romanes, der Sprache der Roma und Sinti, als nicht territorial gebundene Minderheitensprache; genügend und bedürfnisgerechte Stand- und Durchgangsplätze für alle fahrenden Gemeinschaften – und darin eingeschlossen die Unterbindung von Platzverboten für fahrende Gruppen aus dem Ausland.

Des Weiteren soll Antiziganismus als spezifische Form des Rassismus definiert, offiziell verurteilt und entsprechend bekämpft werden. Auch fordert die Gesellschaft die systematische Vertretung der Jenischen, Sinti und Roma in Entscheidungsprozessen auf Bundes-, kantonaler und kommunaler Ebene. Und nicht zuletzt: Die Geschichte und die Kulturen der Jenischen, Sinti und Roma sollen in die Lehrpläne und in kantonale Schulmaterialien integriert werden – und damit auch die Geschichte der «Schweizer Zigeunerpolitik».

Nachtrag zu «Roma in der Schweiz: Wir gehören hierher». Interview mit Stéphane Laederich, Direktor der Rroma Foundation, in WOZ Nr. 14/2017.

Den ausführlichen Bericht finden Sie auf www.gfbv.ch.

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