Nr. 41/2017 vom 12.10.2017

Nobelpreissenkung

Etwas gar letztwöchig, dafür umso ranziger: Ruedi Widmers Widmerwoche

Von Ruedi Widmer

Der Nobelpreis für Psychopathie wurde dieses Jahr erstmals nicht verliehen, wegen Las Vegas und der falschen Anreize.

Wenn ihr eure Velos nicht mehr in die überfüllten Veloständer wuchten wollt, stellt sie einfach aufs Trottoir und bringt auf dem Sattel ein Post-it mit folgendem Wortlaut an: «Bitte nicht wegstellen, das ist ein alternatives O-Bike.»

Wenn Missbrauchsvorwürfe an Roman Polanski laut werden, ist wieder Zurich Film Festival. Unser lokaler Kindsmissbraucher Jürg Jegge hingegen ist freigesprochen worden, die Zürcher Staatsanwaltschaft stellt die Untersuchungen gegen ihn wegen Verjährung ein. Bei Jegge fehlt einfach etwas der Glamour.

Rutscht euch ein antisemitischer Spruch aus dem Mund, seid auf keinen Fall gleichzeitig Mitglied der Grünen Partei. Seid wenn schon in der AfD oder noch besser in der Republikanischen Partei der USA. Dort wärt ihr nicht zum Rücktritt aufgefordert worden wie der Grünen-Nationalrat Jonas Fricker mit seinem Schweinetransport-Auschwitz-Vergleich. Ihr wärt sofort ins persönliche Umfeld des Präsidenten gehievt oder sogar selber Trump geworden.

Die «C-Star», das Schiff der rechtsextremen Dschungelcamper der Identitären Bewegung, die NGOs bekämpfen wollte, ist in Barcelona gestrandet. Die Frage, auf welcher Seite die Rechten nun weiterkämpfen, ob auf der katalanischen oder der spanischen, stellt sich nicht. Auf dem Schiff ist einzig die Küchenmannschaft aus Sri Lanka verblieben.

Zürcher Regionalspitäler bekommen von der Regierung Mindestfallzahlen aufgeschwatzt, sonst dürfen sie gewisse Operationen nicht mehr durchführen, etwa jährlich mindestens zwanzig Knieoperationen. Soll ich, denkt sich die moderne Pflegefachfrau, mir auf der Herbstwanderung das Knie verletzen, damit der schöne Dr. Klöti seinen Job nicht verliert? Vielleicht müsste man die Krankheiten auch einfach besser auf die Bevölkerung verteilen. Gerade mit dem Internet kann man da heutzutage viel machen. Je kleiner eine Gemeinde, desto mehr Knieverletzungen, damit überall die gleiche Anzahl an Knieoperationen anfällt. Während die grosse Stadt Zürich ihre Strassen unfallpräventiv weich mit Samt auskleidet, führt die kleine Gemeinde Volken einen angeblich sehr alten Volksbrauch namens Chnübrächi ein, bei dem die Bevölkerung sich gegenseitig bei Wein, Weib und Gesang mit Hämmern die Kniescheiben zertrümmert, vielleicht an einem symbolträchtigen Ort, etwa unter einer alten Linde.

Der Las-Vegas-Massenmörder Stephen Paddock habe manchmal im Schlaf gestöhnt und «Oh mein Gott» geschrien, sagte seine Frau dem FBI. Der Mann wäre demnach ein Gotteskrieger. Das verunsichert mich, denn auf dem Schulhausplatz meiner Kinder kommt es vor, dass da, eher von Mädchen als Buben, «Ohmeingott» gesagt und mit den Augen gerollt wird, und zwar bei fast jedem zweiten Satz. So viel psychische Auffälligkeit müsste ich fast der Bundespolizei melden.

Die vielen Nobelpreise für Frieden, Freude und Eierkuchen machen das Leben der von Preisen Betroffenen nicht eben einfacher. Ich verstehe, wenn man nicht mehr drauskommt, welchen Nobelpreis man nun genau erhalten hat und dann wie einst Bob Dylan lieber nicht hinfährt, um sich nicht zu blamieren.

AtomwaffengegnerInnen des Friedensbündnisses Ican haben den Friedensnobelpreis bekommen. Das kommt weder bei den Russen noch bei der deutschen Bundesregierung gut an. Barack Obama war da der bessere Preisträger, denn der hatte immerhin selber eine Atombewaffnung. Es ist sehr viel schwieriger, friedlich zu bleiben, wenn der Atomkoffer mit dem roten Knopf dauernd um einen rumschwirrt. Für irgendwelche Hippies ist Frieden schlichtweg keine Leistung.

Jupp Heynckes ist wieder Trainer von Bayern München. Das ist die Chance für Paul Wolfisberg, wieder Schweizer Nationaltrainer zu werden!

Ruedi Widmer ist Cartoonist in den Ferien.

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