Nr. 45/2017 vom 09.11.2017

Von Kaspar SurberMail an AutorIn

Moor Mother

Ist das Elektro, Rap, Punk? Sie selbst nennt es «black ghost songs» oder «coffee shop riot gurl songs». Auf alle Fälle sind Konzerte von Camea Ayewa alias Moor Mother etwas vom Eindringlichsten, was man derzeit erleben kann: In atemlosem Sprechgesang, begleitet von düsteren Beats, erzählt sie von ihren Erfahrungen mit Rassismus, Sexismus und Unterdrückung in den USA. Beim Konzert in der Roten Fabrik tritt als Support die tunesische Elektroproduzentin Deena Abdelwahed auf.

Moor Mother und Deena Abdelwahed in: Zürich Rote Fabrik, Do, 9. November 2017, 20 Uhr. www.rotefabrik.ch

Soul aus Schaffhausen

«Kein Wegwiiser wo mi ineleit, ich schlah e Richtig ii, ich nimm de Schliichweg, ich hoff es isch de richtigi und nid scho wieder de gliich Weg», singt Philipp Albrecht im Titelstück des neuen Albums «Immer wieder». Anfänglich wirkt der Weg, den Min King auf ihrem zweiten Album einschlagen, wohlbekannt: Mit Bläsern, Orgel, Bass, Drums stimmen sie ihren lockeren, verspielten Soul an. Doch es entwickelt sich eine andere Stimmung als auf dem Debüt «Bluemeweg»: Wähnte man sich damals an einer Sommerparty, befindet man sich nun auf dem Spaziergang am Tag danach. Nicht verkatert, aber doch nachdenklich. Dazu passt Mani Matters Song «Mir hei e Verein». Kurz und trocken spielen ihn Min King, und Albrecht fragt im Sprechgesang: «Gehör ich dazu? Gehör ich doch nicht dazu?» Wie auch immer: Klingt cool!

Min King. Plattentaufe in: Schaffhausen Kammgarn, Sa, 11. November 2017, 21 Uhr. www.minking.ch

Neue Ruinen

Wer wohl in der Fabrik tätig war, draussen am Zürcher Katzensee, an der Wehntalerstrasse 770? Das Firmenverzeichnis Moneyhouse meldet, dass zuletzt die Firma E & W Sturzenegger für die Liegenschaft zuständig war. Doch schon vor über zehn Jahren wurde der Eintrag gelöscht. Nun wird das verwilderte Areal zu neuem Leben erweckt. Am Festival «Neuzeit.Ruinen» denken mehr als dreissig KünstlerInnen über das Entstehen und Vergehen, das Leben und den Tod nach. Zu sehen sind Ausstellungen und Performances, so eine interaktive Rauminstallation von Erich Hänseler und Livio Beyer oder hypnotisierende Collagen von Zwieblfisch. Dazu gibt es zwei Bühnen, wobei die grosse den schönen Namen Hallenstadion trägt. Legendary Lightness, Copy Paste oder Bit-Tuner werden mit Indierock, Elektrotrash und Beats die alten Mauern zum Beben bringen. Wers ruhiger mag, kann sich den Yogapop von Elephant Shoes anhören, die mit einem leuchtenden Velo übers Gelände fahren.

«Neuzeit.Ruinen» in: Zürich Wehntalerstrasse 770, Fr/Sa, 10./11. November 2017. www.norder.zone

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