Nr. 01/2018 vom 05.01.2018

Hurra, das Imperium schlägt zurück

Von Florian KellerMail an AutorIn

Man muss ja nicht jeden Schmarren, den irgendeiner im alten Jahr irgendwo abgesondert hat, ins neue herüberzügeln, aber dieser Schmarren ist wirklich zu goldig, zumal er in der ehrwürdigen «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» aufgetaucht ist, Ressort «Stil». Man traf sich dort nämlich zum vorweihnächtlichen Interview mit Christopher Heinemann, Geschäftsführer des Versandhauses Manufactum, einer Firmenmarke, die, so war gleich im Vorspann zu lesen, «für bewussten Konsum» stehe. (Firmengründer Thomas Hoof konzentriert sich seit dem Verkauf des Versandhauses darauf, seinen Manuscriptum-Verlag mit rechtskonservativen bis neurechten Titeln zu bestücken, aber das ist eine andere Geschichte. Oder auch nicht.)

Jedenfalls: Was denn, so wurde Herr Heinemann gefragt, das nächste grosse Ding sei. Dieser, im heiligen Ernst: «Die Re-Emanzipation des Mannes ist ein grundsätzliches Thema. Männer schaffen sich wieder eigene Räume. Man sieht es zum Beispiel an den zahlreichen Barbier-Shops, die eröffnen, zu denen Frauen gar keinen Zutritt haben.» Beim Barbier also findet der abgehängte Mann von heute wieder einen eigenen Raum, wo er sich ungestört emanzipieren und von der grassierenden Geschlechterverwirrung heilen kann, in die ihn der allmächtige Feminismus gestürzt hat. Ungefähr so, Herr Heinemann? Ja, merken Sie denn nicht, wie Sie mit solcher Rede exakt das totalitäre feministische Regime perpetuieren, von dem Sie vorgeben, dass wir Männer uns auf dem Pfad des Konsums zu befreien vermöchten?

Der Barbier-Shop als «safe space» für den Mann: So weit kommts noch! Unter dem Vorwand einer Neuen Männlichkeit werden wir da doch nur eingeseift mit Kosmetikartikeln und der soften Ideologie von Körperpflege und bewusstem Konsum. Jawohl, was Sie, Herr Heinemann, uns als Re-Emanzipation des Mannes verkaufen wollen, ist in Wahrheit nur der erste Schritt zu seiner endgültigen Domestizierung unter dem Banner des Weltfeminismus.

(Applaus von Thomas Hoof.)

«Ich glaube», so Heinemann, «die Autarkie des Mannes kommt gerade zurück.» Da sollte man schleunigst ein Reservat für autarke Männer gründen. Etwa in der Arktis.

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