Nr. 03/2018 vom 18.01.2018

Werden wir bald alle ferngesteuert?

Von Franziska Meister

«Wissenschaft muss ihre gesellschaftliche Relevanz beweisen.» Das reklamiert niemand Geringeres als eine der weltweit tonangebenden Hochschulen, die ETH Zürich. Und sie weiss auch wie: mit Bloggen. Seit 2013 betreibt sie einen «Zukunftsblog», in dem sich ForscherInnen des Hauses rund um das Thema Nachhaltigkeit an ein breites Publikum wenden.

Bislang allerdings war die Resonanz bescheiden, mehr als eine Handvoll Kommentare vermochte kaum einer der inhaltlich durchaus interessanten und anschaulich formulierten Texte zu generieren. Selbst der Klimaforscher, der Anfang 2016 ankündigte, ein Jahr lang aufs Fliegen zu verzichten, hat nicht ernsthaft «eine Debatte entfacht», wie die ETH behauptet. Ein Dutzend Kommentare reichen in digitalen Zeiten dazu schlicht nicht aus. Deshalb tritt die ETH jetzt die Flucht nach vorne an: Seit Januar 2018 bloggen Professoren neu zu Digitalisierung und Gesundheit.

Gesundheit? Tatsächlich: An der Technischen Hochschule forscht mittlerweile jedeR Dritte im Gesundheitsbereich. Mit dem ersten Beitrag macht der Bioingenieur Martin Fussenegger gleich klar, was man hier unter Medizin versteht: eine Verschmelzung von biologischer und digitaler Welt. «In 50 Jahren werden uns elektronische Pillen heilen», prophezeit er. Pillen in Form von Kapseln, die man sich unter die Haut implantiert. Darin befinden sich elektronisch gesteuerte «Designerzellen», die zum Beispiel den Stoffwechsel regulieren und mit der Aussenwelt vernetzt sind. Bereits jetzt existierten Medikamente, die menschliche Zellen genetisch umprogrammieren könnten: ein erster Schritt auf dem Weg zur Heilung von Krebs, ist der Professor überzeugt. Utopisch? Ein ehemaliger Doktorand hat einer Maus eine Art Biochip implantiert, über den er mit ein paar Klicks auf seinem Smartphone die Genaktivität steuern und etwa den Blutzuckerspiegel senken kann.

Was für eine Steilvorlage, um die gesellschaftliche Relevanz von Wissenschaft zu … ja, was denn? Bewiesen haben dürfte der Herr Professor mit seinem Blogbeitrag vor allem, wie notwendig es ist, Wissenschaft öffentlich zu diskutieren.

Entsprechend wünschen wir dem «Zukunftsblog» eine grosse Resonanz.

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