Nr. 05/2018 vom 01.02.2018

Von Franziska Meister

Achtung: Schwindelgefahr!

Kein Wunder, befällt die Ich-Erzählerin Sophie in Esther Spinners neuem Roman «Alles war» immer wieder Schwindel, verschlauft sie sich doch zunehmend in den verschiedenen Zeiten und Orten ihrer Biografie. Da ist das Zürcher Seefeld, in dem sie mit Mutter, Haushaltshilfe und drei «Onkeln» in den fünfziger Jahren aufwuchs, nachdem der Vater plötzlich verschwunden war. Da ist Rom, wo sie schon lange lebt, aus dem sie sich aber erst gedanklich und schliesslich physisch zurück nach Zürich verabschiedet – wegen der Mutter, die immer gebrechlicher wird. Und schliesslich sind da ihre Nachforschungen und Gedanken, die wie ein Strudel um die Frage kreisen, wer diese Mutter eigentlich ist. Lassen Sie sich mitreissen, wenn die Autorin am Sonntag, 4. Februar, im Dachraum der Genossenschaft Kraftwerk in Zürich aus ihrem Roman liest.

Esther Spinner liest aus «Alles war» in: Zürich Kraftwerk 1, Hardturmstrasse 269, So, 4. Februar 2018, 17 Uhr.

Vorsicht: Satire!

Als bittere Satire über Glaubensfanatismus feierte der Film «The Student» des russischen Regisseurs Kirill Serebrennikow im vergangenen Jahr an verschiedenen Festivals grosse Erfolge. Seit August 2017 steht Serebrennikow indes unter Hausarrest, ihm drohen zehn Jahre Haft. Offizieller Vorwurf: Veruntreuung staatlicher Gelder. Tatsächlich, so vermutet man in Russland, war seine künstlerische Arbeit den Machthabenden schon lange ein Dorn im Auge. Jetzt gibt es in der Cinématte in Bern die einmalige Gelegenheit, im Rahmen einer Solidaritätsveranstaltung für den Regisseur «The Student» als Schweizer Kinopremiere zu sehen und in der Diskussion mit dem russischen Autor Michail Schischkin mehr über die Hintergründe des Falls Serebrennikow und die aktuelle Situation von Kulturschaffenden in Russland zu erfahren.

«The Student» in: Bern Cinématte, So, 4. Februar 2018, 16.30 Uhr, mit anschliessender Diskussion. Reservation empfohlen. www.cinematte.ch

Aliens?

Das Rahmenkonzept der Ausstellung «Touchdown» im Zentrum Paul Klee mutet etwas, nun ja, konzepthaft an: 5000 Jahre nach ihrer ersten Mission landen «Ausserirdische» mit ihrem Raumschiff erneut auf der Erde, um zu erkunden, wie es ihren SiedlerInnen ergangen ist. Bei diesen «Ausserirdischen» handelt es sich um Wesen mit Downsyndrom. Wie kommt man auf die Idee, Menschen mit geistiger Behinderung als Aliens vorzustellen? Vielleicht, damit man all die neugierig-naiven Fragen stellen kann, die im Verlauf des Rundgangs auftauchen? Zum Beispiel, ob Menschen mit Downsyndrom eigentlich wählen dürfen oder ob sie ein eigenes Bankkonto besitzen?

So einfach machen es die KuratorInnen dem Publikum natürlich nicht. Sie nehmen es vielmehr mit auf eine Spurensuche in die Vergangenheit, die geprägt war von Marginalisierung bis hin zur versuchten «Auslöschung» im Naziregime. Dabei wird deutlich, dass ambivalente Haltungen gegenüber Menschen mit Trisomie 21 bis heute fortbestehen. Und das wirft seinerseits eine Reihe unbequemer Fragen auf. Spätestens an diesem Punkt muss man den KuratorInnen dazu gratulieren, dass sie den Rundgang zusammen mit betroffenen Behinderten erarbeitet haben und auch jeweils gemeinsam mit ihnen durch die Ausstellung führen.

«Touchdown. Eine Ausstellung mit und über Menschen mit Down-Syndrom» in: Bern Zentrum Paul Klee, bis So, 13. Mai 2018. Breites Rahmenprogramm. www.zpk.org

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