Nr. 05/2018 vom 01.02.2018

Die nächste Alarmstufe

Von Adrian Riklin

Nach dem Warnstreik der Mehrheit aller SDA-Redaktionsmitglieder vom 22. Januar in Bern fiel CEO Markus Schwab in der «NZZ am Sonntag» nichts Besseres ein, als zu sagen: «Die SDA ist nur ihren Aktionären etwas schuldig.» Dass mit der Entlassung von 36 JournalistInnen die mediale Grundversorgung auf dem Spiel steht, scheint ihn nicht zu interessieren. Insgesamt sollen gar 88 MitarbeiterInnen (inklusive Frühpensionierungen, Lohn- und Pensenkürzungen) betroffen sein. Begründet wird das mit der sinkenden Zahlungsbereitschaft der Kunden: der Verleger, die zugleich Eigentümer der SDA sind.

In ihrer Antwort auf eine Resolution der Redaktion vom 29. Januar signalisierte die Direktion, dass sie in den zentralen Punkten zu keinerlei Entgegenkommen bereit sei. Letzten Dienstag haben die MitarbeiterInnen deshalb erneut einen Streik begonnen – einen unbefristeten. Das gab es auf Redaktionen hierzulande zuletzt 2008. Bereits sind die Auswirkungen des Streiks zu spüren: Am Dienstag konnte die Leitung nur noch einen Notdienst durch Kadermitglieder aufrechterhalten. Kleinere Zeitungen beklagen sich über Stoffnotstand.

Doch die Leitung spult unbeirrt die Massenentlassung ab. Fast noch pressanter geht es an die Schatztruhen. Noch vor Bekanntgabe der Fusion mit Keystone wurde die SDA-Liegenschaft am Zürcher Sihlquai an die Amgefi Real Estate SA, eine Immobilienfirma in Lugano, verkauft. MitarbeiterInnen, die die Entlassungswelle überstehen, sollen zu Keystone ziehen – noch bevor die Wettbewerbskommission die Fusion bewilligt hat. Als grösste Aktionärin am meisten Geld daraus ziehen wird Tamedia.

Am Mittwochmorgen fuhren Redaktionsmitglieder aus den Büros in Bern, Basel, Chur, Luzern und St. Gallen in Cars nach Zürich, wo sie sich zunächst vor dem Tamedia-Gebäude versammelten. Viele KollegInnen von anderen Medien überbrachten Solidaritätsbotschaften. «Weder von der Geschäftsleitung noch vom Verwaltungsrat sind bis jetzt Signale gekommen», sagt Redaktionsmitglied Sebastian Gänger kurz vor Redaktionsschluss.

Nachtrag zum Artikel «Schweizerische Depeschenagentur: ‹Ich komme mir vor wie im falschen Film›» in WOZ Nr. 4/2018.

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