Nr. 09/2018 vom 01.03.2018

Gängelband ahoi!

Ruedi Widmer über das Gefühl, bevormundet zu werden

Von Ruedi Widmer

Im Zuge von «No Billag», der Gaulandeuphorie, der Ganserwelle, der neuen NZZ (inzwischen die grösste Zeitung der Sächsischen Schweiz) und vielem mehr liest und hört man den Begriff «Bevormundung». Diese findet bei uns in Europa durch den Journalismus, den Staat, die Frauen, die EU, Israel, die USA, den Islam und die Nato-Truppen statt.

Ebenso oft ist von «Umerziehung» die Rede, bei Ernährungs- und Geschlechterfragen wie auch bei der Art der Energiegewinnung.

Wer lässt sich da umerziehen? Warum kommen sich Menschen bevormundet vor? Weil sie völlig autoritätsgläubig sind? Oder weil sie nicht erwachsen sind?

Im reichsten, freisten und bildungsintensivsten Land der Welt, der Schweiz, lassen sich die Leute also von einem Fernsehsender umerziehen, von PolitikerInnen am Gängelband führen und von den Behörden bevormunden?

«Wir lassen uns beim Essen nicht bevormunden» (NZZ, 23. Februar). «Wir wollen ernst genommen werden, wir wollen, dass man uns etwas zutraut, wir wollen und müssen uns nicht bevormunden lassen» (Mario Cavigelli, Präsident der Regierungskonferenz der Gebirgskantone). Itopnews.de berichtet mir bevormundend: «EU will Netflix-Zuschauer bevormunden und beschliesst Europa-Quote.» Als ob uns Netflix nicht auch ohne eine solche Quote durch seine Programmgestaltung bevormunden würde.

Manche versuchen ihr Leben lang, die Bevormundung abzuschütteln. Eltern, Geschwister, Lehrerinnen, Lehrmeister, Polizisten, Ehefrauen, Ehemänner, Chefinnen, Ärzte, Politiker und vor allem Flüchtlinge wissen das aber immer geschickt zu verhindern. Die schweigende Mehrheit ist allerdings immun gegen Bevormundung (mit etwa sechzehn Jahren) – und gegen Umerziehung erst recht. Irgendwann steht der Mensch, hat seine Statur, seine unverrückbaren Meinungen, Überzeugungen und Marotten, die er nicht mehr ändert bis zum Tod. Gerade konservativ eingestellte Menschen, die sich von #MeToo oder der Evolutionstheorie bevormundet oder gar umerzogen fühlen, sollten doch eigentlich genug Halt bei Gott, Volk, Nation und Rasse haben, um solche Wehwehchen mit links wegzustecken.

Das Umerziehungsgefühl ist besonders in Deutschland ausgeprägt. Dort wurde das Nazivolk zum Bundesrepublikaner umerzogen, und nun will es endlich wieder Nazivolk sein. Die Rückumerziehung geht freilich nicht so verschwiegen-hinterhältig vonstatten wie die Westpeitsche nach 1945, als die Deutschen von den USA mithilfe von Demokratie, Coca-Cola, Rock ’n’ Roll und dem angelsächsischen Wirtschaftssystem bevormundet wurden. Nein, das muss 2018 ganz demokratisch mit Gewalt gehen, mit Blasmusik und AfD-Befehlskette. Die Erzieherin sitzt schon im Bundestag.

Ich selber kenne das Gefühl der Bevormundung gar nicht (vielleicht weil ich ein eher unkritischer Geist bin). Natürlich, es ist jetzt gerade Mittag, und ich werde mir Gedanken machen müssen, wie ich meinen Hunger stillen soll. Ja, ich kann dies als Bevormundung, als Einschränkung meiner Freiheit betrachten. Warum muss ich ausgerechnet am Mittag Hunger haben und nicht dann, wann ich will? Warum muss ich überhaupt arbeiten, wenn ich doch gar nicht möchte? Die Libertären haben schon recht mit solchen Fragen.

Ich spüre, wie das Gängelband in mein Bauchfett schneidet, ich spüre den Atem von Doris Leuthard im Nacken, ja mei, warum sagt der Staat, wann ich Hunger zu haben habe? Sommaruga oder Merkel und ihre Wunsch-GroKo sind doch nicht Königinnen, man wird doch als Bürger noch eine andere Meinung haben dürfen. Merkel sollte nun durchgreifen, wie Orban oder Putin, und endlich die Demokratie nachladen und gegen die Islamisierung in Stellung bringen. Die Demokratie gehört an die Grenze, das ist Chefsache, da gibts nichts reinzuquatschen von den Schwatzbuden in Berlin und Bern.

Keine Bevormundung – jetzt!

Ruedi Widmer wird in Winterthur von den Umständen bevormundet.

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