Nr. 50/2018 vom 13.12.2018

The Bundesratles

Ruedi Widmers «Widmerwoche» zur Departementsverteilung

Von Ruedi Widmer

Tixerb: Ein erheblicher Teil Grossbritanniens will wieder in die EU zurück. Das windige Land, das vor zwei Jahren vom Kontinent weggebrochen ist und völlig vereinsamt im Nordatlantik dahinschwimmt, soll mithilfe riesiger Schleppschiffe wieder in den Hafen der Ehe zurückgeführt werden.

Emmanuel Macron behandelt seine Westenstiche mit Steuererleichterungen.

Die Gewalt der Gelbwesten in Paris (Zerschlagung von Napoleon-Statuen inklusive) wird offenbar in der breiten französischen Bevölkerung akzeptiert. Auch hierzulande ist wenig Empörung und viel Verständnis in den Onlinekommentarspalten. Erinnern wir uns an die wochenlangen Kampagnen gegen die Ausschreitungen der G20-DämonstrantInnen von Hamburg in den Schweizer Medien. Der enorme Klassenunterschied zwischen «faulen Studenten» und dem «hart arbeitenden Volk in der Provinz» ist nun sehr deutlich zu sehen. Die Städte in der Schweiz können noch doppelt so gross werden, die Minderheit der ländlichen Bevölkerung wird stärker und stärker, die Oktobertrachtenfeste und Weihnachtsmarktdörfli werden mehr und mehr, und im Bundesrat sitzt niemand mehr, der aus einem grösseren Ort als Köniz stammt.

Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) ist neue CDU-Chefin und die Wilerin Karin KKS Keller-Sutter neue Justizministerin der Schweiz. Mit einem St. Galler KKL wird es in nächster Zeit also nichts.

Doris Leuthard hat dem KKB (Kernkraftwerk Beznau) einen enorm hohen Strahlungsgrenzwert geschenkt. Es gibt eben auch für Doris Leuthard ein Leben nach dem Bundesrat, und sie wird ihre Rolle als Atomdoris fortsetzen, die sie bis Fukuyama («Das Ende der Geschichte?») innehatte.

Viola Amherd bekommt das UBS, Simonetta Sommaruga übernimmt das IKRK, Karin-Keller-Sutter erhält das ISBN, Guy Parmelin wechselt ins FKK.

Noch mehr zum Leben nach dem politischen Tod: Möglicherweise beginnt Staatsrat Pierre Maudets Karriere erst jetzt. Von Genf aus wird die FDP so umgekrempelt wie die Republikanische Partei der USA. Der Lügenbaron wird Kantonalpartei um Kantonalpartei umpolen und immer mehr FDPlerInnen an seinen Formel-1-Rallyes begeistern. Jetzt muss er nur noch einen Master in Sexismus machen und einige Semester Rassismus besuchen, dann steht der Eroberung der Nation nichts mehr im Weg.

Zur Revision des CO2-Gesetzes: Das Problem der Treibhausgase ist inzwischen gelöst. Die erdölorientierte alternative Wissenschaft hat deren Quelle zweifelsfrei gefunden; dabei wäre sie doch schon so lange so naheliegend gewesen. BäuerInnen und Gärtnerbetriebe bauen das Gas illegal in ihren Treibhäusern an – getarnt zwischen Gemüse und Blumen! Jetzt soll TreibhausbesitzerInnen erst mal ein Brief geschrieben werden. Das Verbot der Treibhäuser dürfte aber kaum erfolgen – dafür sind sich Bauernstand und Erdölrösti zu nahe.

Noch ist schwer vorstellbar, wie die neue VBS-Vorsteherin Viola Amherd bei den obelixschen Essexzessen der Schweizer Armeespitze mitmampfen soll (Poulets, Wildschweine, Kamele, Bären und anderes).

Zum Glück wurde noch keine Bundesrätin von einem Journalisten gefragt, ob sie in ihrem neuen Departement auch twerken wird.

Seit sich Coca-Cola in Berlin mit Aufschriften auf seinen Flaschen gegen die AfD wendet und diese aus Protest Pepsi zu trinken begonnen hatte (worauf Pepsi sich den Annäherungsversuchen widersetzte), traten schon AfD-Exponenten in den sozialen Medien aus lauter Verzweiflung mit dem erklärtermassen linken Fritz-Kola vor die Kamera. Es ist der sympathischen Firma Vivi Kola aus dem schweizerischen Eglisau zu wünschen, dass sie nicht als nächste Station von der Gauland-Truppe in Gewahrsam genommen wird (Eglisau liegt sehr nahe an der deutschen Grenze).

Ruedi Widmer ist neu Vorsitzender des Eidgenössischen Witzboldendepartements EWBD.

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