Nr. 12/2018 vom 22.03.2018

Vor deutschen Philosophen wird gewarnt

Von Daniel Hackbarth

PhilosophInnen mögen oft gescheite Leute sein, allerdings gibt es auch in diesem Berufszweig Ausreisser nach unten, was schon ein flüchtiger Blick nach Deutschland beweist. Von dort stammt bekanntlich Martin Heidegger, ein lupenreiner Antisemit und schlimmer Hinterwäldler, der sich von seiner vormodernen Lebenswelt irgendwo im Schwarzwald zu einer verschrobenen Privatsprache inspirieren liess und dafür kurioserweise bis heute in höchsten Ehren gehalten wird. Der Heidegger-Biograf Rüdiger Safranski wiederum hat nun dem «Spiegel» ein Interview gegeben, das sich über drei Seiten erstreckt, obwohl sich die Gedanken des 73-Jährigen bündig mit dem Satz «Ausländer raus!» zusammenfassen liessen.

Im Einzelnen doziert Safranski, der bis vor kurzem auch im «Literaturclub» des Schweizer Fernsehens sass,* darüber, dass es «keine Pflicht zur Fremdenfreundlichkeit» gebe, was wohl so etwas wie ein rechtspopulistisches Update von Kants kategorischem Imperativ darstellen soll; er beklagt das «politische Frömmlertum» sowie die «Gewaltexzesse» der Antifa; und er insistiert auf seiner früheren Äusserung, Kanzlerin Angela Merkel habe mit ihrer Flüchtlingspolitik die Entscheidung getroffen, «Deutschland zu fluten».

Als wäre das nicht schon trist genug, bekennt sich der Bestsellerautor auch noch zum Konzept des sogenannten «Ethnopluralismus», mit dem die Rechte ihren arg abgehangenen Rassismus fit fürs 21. Jahrhundert zu machen versucht. Alles in allem dokumentiert das Gespräch exemplarisch, wie ExponentInnen des deutschen Bildungsbürgertums derzeit in Richtung AfD rücken. «Wie rechts sind Deutschlands Literaten wirklich?», fragte deswegen «Die Welt» besorgt und unterzog nicht nur Safranski, sondern auch dessen Kompagnon Peter Sloterdijk sowie den Schriftsteller Uwe Tellkamp, der vor Eröffnung der Leipziger Buchmesse in Dresden mit Pegida-Thesen aufwartete,* online einem «Schnellcheck». Ein toller Service – schade bloss, dass er zahlenden AbonnentInnen vorbehalten bleibt.

Ganz ohne Paywall gibt es hier den Tipp, beim Bücherkauf künftig um schreibende WutbürgerInnen einfach einen grossen Bogen zu machen.

* Korrigendum vom 22. März 2018: In der Printversion sowie in der alten Onlineversion steht fälschlicherweise, Rüdiger Safranski sei «vor ein paar Jahren» Mitglied des «Literaturclubs» gewesen. Korrekt ist, dass er bis vor kurzem dabei war. Ausserdem wartete Uwe Tellkamp nicht an der Leipziger Buchmesse mit Pegida-Thesen auf, sondern in Dresden, mehrere Tage vor Eröffnung der Messe.

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