Nr. 15/2018 vom 12.04.2018

Neue Einblicke dank Attrappe

Von Stephan Pörtner

Die zunehmende Unmöglichkeit, bekannte von unbekannten Gesichtern zu unterscheiden, beziehungsweise die bekannten einem bestimmten Lebensbereich oder -abschnitt zuzuordnen, liess Brenzabel nervös und oft gesenkten Blickes durch die Stadt gehen. Dieses anfänglich nur knapp geduldete, zu häufigem Anraunzen führende Verhalten wurde allgemein akzeptiert, als er darauf verfiel, sich eine Mobiltelefonattrappe vor die Nase zu halten, die aus einem mit Glas abgedeckten Holzrahmen bestand, durch den er faszinierende Einblicke in die ganz unterschiedlichen Pflasterungen und aufregenden Verkrustungen des bisher kaum beachteten Trottoirs gewann. Das gestiegene Risiko leichter Kopfverletzungen durch Zusammenstösse mit echten Handyjunkies und traditionellen Laternenpfählen nahm er dafür gerne in Kauf.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Seine neue Gaunerkomödie «Die Bank-Räuber» tourt aktuell mit Beat Schlatter in der Hauptrolle durch die Deutschschweiz: www.diebankraeuber.ch. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

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