Nr. 28/2018 vom 12.07.2018

Von Karin HoffstenMail an AutorIn und Dinu Gautier

Schwächliche

Dem Stolz auf zwei gewesene Stadtväter aus einer Berner Familie möchte unsere Bundesstadt jetzt konkreten Nachdruck verleihen. «Nach den beiden Tschäppats soll eine Strasse benannt werden», hiess es im Online-«Bund», der den berühmten Familiennamen im Text gleich viermal falsch schrieb und nach Korrekturen immer noch ein «Tschäppat» übrig liess. «Äääää!», liess sich daraufhin ein ungeduldiger Leser verlauten. Vermutlich beschäftigt Tamedia beim «Bund» unterbezahlte NichtbernerInnen, die sich so was wie ein kraftvolles «Tschäppät» gar nicht vorstellen können.
Karin Hoffsten

Fleissige

Aus unserm nördlichen Nachbarland wurde uns ein anonymes Foto zugespielt, das eines der berüchtigten Billigfleischangebote zeigt: «Nackensteaks, mariniert vom Schwein». Damit ist klar, dass sich die Ausbeutung von Nutztieren in der Europäischen Union nicht auf eine würdelose Massentierhaltung beschränkt – die armen Schweine müssen auch noch selber anpacken!
Karin Hoffsten

Geschickte

Auch der «Tages-Anzeiger» befasste sich mit den dunklen Seiten von Uniqlo, dem neuen Ausstatter des Grössten Aller Zeiten, dessen Namen wir nicht mehr nennen müssen: «Demnach warten seit 2015 rund 2000 entlassene Arbeiterinnen, die für Uniqlo und andere Ketten Kleidung genäht hatten, auf 5,5 Millionen Doller Entschädigung.» Während uns dazu nur «Je oller, je doller» einfiel, twitterte die Wortkünstlerin Patti Basler zum neuen Sponsor: «Hört sich an wie das lang geforderte Unisex-WC. Aber Geld stinkt nicht.» Woraufhin jemand anderes gleich den passenden Slogan kreierte: «Non olet!» Wir sind ja schon lange der Meinung, dass Marketingagenturen stark überzahlt sind.
Karin Hoffsten

Schuldlose

Nachdem dieselbe Zeitung auf ihrer Website geschrieben hatte: «Wie rot-grüne Regierungen die Schweizer Städten verändert haben», meinte WOZ-Leser H.: «Zumindest die Veränderung der Grammatikregeln kann man ihnen nicht auch noch ankreiden.» Das kann der «Tages-Anzeiger» nämlich gut allein. An anderer Stelle gings um einen «pinkfarbenen Kartonkoffer. Doch dieser hatte der Vater spätabends bereits zum Altkarton verräumt.» Vielleicht verwirrt es den «Tagi» ja, wenn Farbe ins Spiel kommt.
Karin Hoffsten

Fortschrittliche I

Im Gesellschaftsteil der «NZZ am Sonntag» empfahl die hauseigene People-Journalistin das Werk «Zürich for Women only» mit den Worten: «Ein Buch von Frauen für Frauen, da befürchtet man dieser Tage ja gleich Konspiration gegen männliche Unholde. Doch dieses Buch arbeitet zum Glück nicht an einer weiteren Trennung der Geschlechter, sondern bietet nützliche Tipps für Touristinnen, mit Humor präsentiert.» In der Redaktion verkörpert die Schreibende zweifellos die Speerspitze des Feminismus.
Karin Hoffsten

Fortschrittliche II

Der NZZ-Chefredaktor in einem Leitartikel: «(…) die grenznahe Unterbringung registrierter Flüchtlinge dürfte den Asyltourismus ein wenig eindämmen.» Freies Fluten gilt hingegen für die Jargoneinwanderung aus AfD-Reden in Falkenstrasse-Hirne.
Dinu Gautier

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