Nr. 32/2018 vom 09.08.2018

Was zwei Drohnen zu sagen haben

Von Toni Keppeler

Es wird viel Blödsinn geredet und geschrieben über die Drohnen von Caracas. Keine zwei Stunden nach dem gescheiterten Attentat auf Venezuelas Präsidenten Nicolás Maduro am vergangenen Samstag sagte dieser im Fernsehen, Juan Manuel Santos, der konservative Präsident des Nachbarlands Kolumbien, habe die ferngesteuerten Flugkörper geschickt. Ohne den Hauch eines Beweises. Die beiden haben sich zwar oft und heftig gestritten, aber dass Santos zwei Tage vor dem Ende seiner Amtszeit so ein Attentat ausführen lassen haben könnte, darauf muss man erst einmal kommen. Lieber hinterlässt er den schwierigen Nachbarn seinem ungeliebten Nachfolger Iván Duque.

Internationale Zeitungen schreiben noch Tage später von «angeblichen» Drohnen – so, als hätte es sie nicht gegeben. Unzählige AugenzeugInnen haben sie gesehen, auch solche, die nicht der Maduro-Treue verdächtig sind. Dieselben Zeitungen freuen sich darüber, dass ein Teil der Nationalgarde, deren Parade Maduro gerade abnahm, bei der Explosion einer – vielleicht gar nicht vorhandenen – Drohne auseinanderstob und Deckung suchte. Das zeige die Schwäche des Regimes. Das Gegenteil ist richtig: Maduro – ob man ihn mag oder nicht – wird durch das Attentat gestärkt. Es zeigt stattdessen die Schwäche der Opposition.

Die Demonstrationen des letzten Jahres haben sich längst verlaufen. Wenn heute auf die Strasse gegangen wird, dann in überschaubarer Zahl in den Stadtteilen und mit ganz konkreten Anliegen: weil es kein Wasser gibt oder keinen Strom. Angesichts von Lebensmittelknappheit und Hyperinflation sind die Menschen mit dem Überleben beschäftigt. Wenn sie protestieren, dann geht es um ihre eigenen dringendsten Angelegenheiten. Die oligarchischen Zirkel der Opposition sind ihnen egal, sie haben ohnehin nichts anzubieten. Diese Zirkel sitzen längst nicht mehr einig an einem «Runden Tisch für die Demokratie», sind zerstritten und haben sich mehrfach gespalten.

Natürlich gibt es viel Unmut über Maduro, auch in Kreisen ehemaliger SoldatInnen der mehrfach von RegimekritikerInnen gesäuberten Armee. Vieles deutet darauf hin, dass ein paar dieser Unzufriedenen bei einem Internethändler zwei Drohnen bestellten, um vorher unterschlagenen Plastiksprengstoff daran zu kleben. Ein dilettantischer Versuch, wenn man weiss, wie leicht solche Dinger abzuschiessen sind und wie sehr Maduro geschützt wird. Geheimdienste sind heute intelligenter. Für grosse Verschwörungstheorien, die auf Kolumbien und die USA zeigen, taugt ein solcher Anschlag nicht.

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