Nr. 50/2018 vom 13.12.2018

Wollen wir den Schlüssel abgeben?

Von Florian Wüstholz

Bald werden selbstfahrende Autos, Busse, Taxis, Züge und Trams durch die Städte kurven. Die algorithmischen Helferlein werden uns dabei mühelos, produktiv und stressfrei von A nach B bringen. So viel scheint klar. Doch unter welchen Umständen werden sie die Mobilität der Zukunft definieren? Während im Bundeshaus noch über CO2-Abgaben und Infrastrukturprojekte debattiert wurde, lud der Verein Umverkehr zu einer Grundsatzdebatte mit TeilnehmerInnen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft ein.

Für einmal standen dabei nicht die ethischen Fragen im Zentrum. Es ging um die Verkehrspolitik: Wird die Autonomisierung wirklich zu einer Kapazitätssteigerung und weniger Verkehr führen? Kay Axhausen, Professor für Verkehrsplanung und Transportsysteme an der ETH Zürich, relativiert. Zuerst müssten wir durch ein «Tal der Tränen» mit mehr Verkehr, mehr Stau und womöglich mehr Strassen. Der Mischverkehr zwischen mensch- und maschinengesteuerten Fahrzeugen führe zu vorsichtig programmierten Algorithmen. Effizient ist das nicht.

Ob in Zukunft alle ihr eigenes Roboterauto haben, ist derweil umstritten. André Müller vom Beratungsbüro Ecoplan glaubt, dass wir uns vom Besitz verabschieden müssen. Nur mit Carsharing und Carpooling lasse sich wirklich ein Nutzen erreichen. Die Welt der Zukunft müsse eine des Mobilitätsservice sein. Bloss, ohne Regulierung führt das wohl zu einer weiteren Privatisierung. Denn multinationale Konzerne streben primär nach Profit und Marktdurchdringung. Nachhaltigkeit und gerechter Zugang zu Mobilität sind für sie sekundär.

Trotz dieser Bedenken plädiert SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher für eine unideologische Lösungssuche. Das bedeute vor allem, dass öffentlicher und privater Verkehr «optimal zusammenarbeiten» müssten. Für Silas Hobi, Geschäftsleiter des verkehrspolitischen Vereins Umverkehr, ist das Ziel derweil klar: Die Fahrzeugkilometer müssen reduziert werden, ohne dass die Mobilität der Bevölkerung eingeschränkt wird. Gleichzeitig müsse künftiger Mehrverkehr auf der bestehenden Infrastruktur abgewickelt werden. Angesichts stetig vorpreschender privater Mobilitätsanbieter bedeutet das auch, dass wir mit dem Schlüssel nicht gleich die Kontrolle abgeben.

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