Nr. 50/2018 vom 13.12.2018

Postergirl auf den Barrikaden

Von Florian KellerMail an AutorIn

«Wäre Trump nicht gewählt worden, wäre ich jetzt am Gärtnern», sagte sie jüngst zu Michael Moore, als sie von diesem für ihr Lebenswerk geehrt wurde. Stattdessen müsse sie jetzt, mit über achtzig, nochmals auf die Barrikaden.

Sie weiss ja, wie das geht. Ihren Durchbruch als Filmstar feierte sie als neckische Kosmonautin, Regie führte der französische Erotomane, den sie drei Jahre davor in Las Vegas geheiratet hatte. Als erklärte Sozialistin stürzte sie sich damals auch politisch ins Getümmel, sie engagierte sich gegen den Vietnamkrieg und machte sich stark für die Black Panthers. Zu jener Zeit notierte sie in ihr Tagebuch: «Ich verstehe die Frauenbewegung nicht, die lenkt doch von den wirklich wichtigen Fragen ab.»

Zwei Jahre später holte sie – übrigens lange vor ihrem berühmten Vater – ihren ersten von zwei Oscars ab, für ihre Darstellung einer Prostituierten. Ihr Image als frivoles Postergirl der Gegenkultur hatte sie damit für eine ganze Weile abgeschüttelt. «Wenn man in Hollywood arbeitet», so kommentierte sie später lakonisch, «erlangt man unweigerlich ein gewisses Fachwissen auf dem Gebiet der Prostitution.»

Was dann das legendäre Foto angeht, für das sie bis heute bei vielen Landsleuten als Antipatriotin verhasst ist, hat sie später ihre Reue bekundet. Doch die Reise ins Kriegsgebiet, hinter die feindlichen Linien, hat sie nie im Geringsten bereut. Einzig dieses Foto mit Helm, das in ihrer Heimat so viel Feindseligkeit entfacht hatte: Das sei furchtbar und leichtsinnig von ihr gewesen. Den Spitznamen, den man ihr damals anhängte, ist sie nie mehr losgeworden.

Danach wurden die Filme mit ihr seltener, aber nicht schlechter, der politische Aktivismus war ihr eine Zeit lang einfach wichtiger. Mit 53 erklärte sie ihren Abschied vom Kino. Fünfzehn Jahre lang drehte sie gar keine Filme mehr, erst seit 2005 sieht man sie wieder regelmässig vor der Kamera. Als Atheistin erzogen, wurde sie aufs Alter hin noch religiös, aber auch als Christin ist sie der feministische Freigeist geblieben, der sie immer schon war – der Inbegriff einer unabhängigen Frau, niemandem verpflichtet ausser sich selbst.

Über ihren dritten Ehemann, einen schwerreichen Medienmogul, spottete sie einmal, er habe es nötig, dass man hundert Prozent der Zeit für ihn da sei: «Er glaubt, das sei Liebe. Das ist nicht Liebe, das ist Babysitting.» Wer ist die feministische Ikone, die als 45-Jährige in Leggings einen epidemischen Fitnesskult auslöste?

Wir fragten nach der US-Schauspielerin und Friedensaktivistin Jane Fonda. Ihre beiden Oscars als beste Darstellerin gewann sie für «Klute» (1971) und «Coming Home» (1978). Seit sie sich 1972 mitten im Vietnamkrieg auf einer Flugabwehrkanone der Vietcong ablichten liess, wird sie vor allem von US-Kriegsveteranen als «Hanoi Jane» angefeindet. Ironie der Geschichte: Mit ihren wahnsinnig erfolgreichen Aerobicvideos verhalf sie später einer Fitnessmethode zum Durchbruch, die einst ein US-Militärarzt entwickelt hatte.

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